Ikonen: Ausstellung zu Andy Warhol in der Modernen Galerie
Auf die Siebdrucke konzentriert, das Lieblingsmedium von Andy Warhol, vereint ein Rundgang rund 120 Werke und zeigt, wie der „Papst des Pops“ Bilder in Ikonen verwandelte.
Die Kuratorin der Ausstellung, Lisa Felicitas Mattheis fasst ihren Geist in wenigen Sätzen zusammen: „Andy Warhol hat früh verstanden, dass moderne Gesellschaften ihre Wirklichkeit über Bilder organisieren. Was uns heute in den sozialen Medien täglich begegnet – Wiederholung, Wiedererkennbarkeit und die schnelle Zirkulation von Bildern –, ist in seinem Werk bereits angelegt.“ Der Künstler hält hier dem Besucher den Spiegel der zeitgenössischen Eitelkeiten vor, schafft ein verblüffendes Schwindelgefühl. Wie bei der Massenproduktion in der Fabrik ist dieser echte factory worker auch ein serial painter, für den der Siebdruck Anfang der 1960er Jahre zum bevorzugten Ausdrucksmittel wird. Diese Technik ermöglicht es ihm in der Tat, Bilder in immer neuen Farbvariationen zu vervielfältigen, wobei er die photomechanische Reproduktion mit malerischen Eingriffen, Farbflächen oder bewussten Verschiebungen kombiniert. Dank dieses Verfahrens verleiht er Massenkonsumgütern einen fast schon religiösen Status: Die Coca-Cola-Flasche oder die Campbell’s-Suppendose sind zwei eindrucksvolle Beispiele dafür.

Andy Warhol liefert ein Portrait der modernen Welt, jener des Kapitalismus ohne Komplexe, in der die Persönlichkeiten die neuen „Heiligen“ eines Fernseh-Kults sind: Die vollständig gezeigte Serie Marilyn (1967) – die Erste, die er realisiert, wird als Modell für die Folgenden dienen – nimmt eine Presse-Aufnahme aus dem Film Niagara von Henry Hathaway in zehn Farbvariationen auf, von Schwarz bis Rosa über Blau. Total glamourös, schwebt das Gesicht / die Maske von Norma Jean Baker – mit vollen Lippen, abwesendem Blick und gleichzeitiger Präsenz – im Zentrum von Farbflächen, die an Heiligenscheine erinnern. Die Metamorphose ist vollzogen: Vom Hollywood-Star gelangt sie zu einem neuen Niveau, wird zur reinen Oberfläche der mentalen Projektion, die die Konstruktion der Berühmtheit hinterfragt. Dieses selbe Vorgehen wird auf Mao (1972) angewandt, aber auch Figuren der Vergangenheit wie Johann Wolfgang von Goethe (1982). In der Überlegung rund um den American way of life, die der Künstler präsentiert, unterlässt er nicht seine dunkle Seite mit Serien wie Electric Chair (1971), die eine leere Hinrichtungskammer des Gefängnisses Sing Sing zeigt oder Flash-22 novembre 1963 (1968). Letztere vereint 11 Drucke in Begleitung von Texten von Philip Greer, in Form einer fragmentierten Erzählung der Ermordung von John F. Kennedy in Dallas, die nicht dessen Grundlage oder seine politischen Auswirkungen analysiert, sondern seine Behandlung durch die Medien.
In der Modernen Galerie (Saarbrücken) bis 18. Oktober
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