Pierre Huyghe präsentiert Soulscapes in der Fondation Beyeler
Als eine der großen Figuren der zeitgenössischen Kunst erobert Pierre Huyghe die Fondation Beyeler mit einer Ausstellung, die dazu einlädt das zu durchschreiten, was der Bildhauer „soulscapes“ nennt, womit er den Besucher an den Rand des Unbekannten entführt.
Im Zentrum des Rundgangs befindet sich Apnea (2026), ein Aquarium in den eine „Lunge“ getaucht ist, eine Silikon-Membran, deren Atmung dem Ensemble seinen Rhythmus verleiht, denn ihr Atem entfaltet sich in den verschiedenen Sälen, dank eines Systems von in die Wand gebohrten Löchern. Beruhigt und friedlich desynchronisiert sie sich bis sie, manchmal, aussetzt – was auf den Titel des Werkes verweist – eine Metapher für einen instabilen sozialen Körper, der dereguliert und der Thrombose nahe ist. Dieses künstliche Organ, das aus einem Film von David Cronenberg stammen könnte, verleiht anderen Werken wie Alchimia (2026) einen Rhythmus, einer bizarren Einheit – eine Larve oder ein Regenwurm, der an das Unterbewusstsein erinnert – die sich zu einem Rhythmus aus Einatmung / Ausatmung bewegt, manchmal bis zur Konvulsion, wenn sie der Luft beraubt wird. Bei Pierre Huyghe (geboren 1962), ähnelt die Ausstellung einer mysteriösen mentalen Landschaft, einer rätselhaften spekulativen Fiktion, die zutiefst an David Lynch erinnert, in die sich jeder einfügen kann.
Man bleibt lange fasziniert von Camata (2024), einem Film, der ein beunruhigendes post-humanes Ritual zeigt: In der Wüste von Atacama, komponieren Maschinen ein Ballett rund um Skelette, die nicht beerdigt wurden. Mit dieser roboterartigen Choreographie von artikulierten Armen von extremer Langsamkeit, in der die Technologie auf den Archaismus prallt, hinterfragt der Künstler den Platz des Menschen in einer mechanischen Welt, die von KI durchzogen ist. Hat er noch einen? Ist er nicht dem Ersetzt-Werden und dem Verschwinden geweiht? Das Werk antwortet auf Liminals (2025), eine andere zeitgenössische Mythologie, die eine Frau zeigt, deren Gesicht ein schwarzes Loch ist, so als ob ihr Züge vom Schatten ausgehöhlt würden, im Nichts verschwindend. Sie irrt durch die Vorhölle, eine zeitlose Zone, in der Zeit und Raum keine Bedeutung mehr zu haben scheinen, oder keinen Sinn, ein Symbol für unsere Existenzen, in denen der Bezug zur Realität immer ungewisser ist. Woanders erinnert eine goldene Maske an Brâncuşi und generiert eine unbekannte Sprache, die vielleicht dazu fähig ist etwas ungedachtes auszudrücken (Idiom, 2024-heute), während ein zweites Aquarium voller Pfeilschwanzkrebse und anderer Krebse sich mit der Entstehung des Lebens befasst (Cambrian Explosion 19, 2013). Die tentakelartige Aussage von Pierre Huyghe konfrontiert jeden mit der Unbestimmtheit, taucht ihn in einen Zwischenbereich ein, der sich manchmal kristallisiert: Ein riesiges aus Aluminium gegossenes Relief, Adversary (2026) ist eine mentale Landschaft. Dieser Versuch das Unterbewusstsein zu Sedimentieren – ebenso jenes des Künstlers wie das unsrige – geht einen Dialog mit The Witch (1941) von Max Ernst ein, einem künstlerischen Experiment von identischer Essenz, das in die Untiefen der Psyche abtaucht.
In der Fondation Beyeler (Riehen / Basel) bis 13. September
fondationbeyeler.ch



