Das Kunstmuseum Karlsruhe empfängt fünf Jahrhunderte Kunst mit Expressiv!
Mit Expressiv! entdeckt der Besucher fünf Jahrhunderte menschlicher Emotionen anhand von 250 Aquarellen, Gravuren und Zeichnungen von Dürer, Rembrandt, Kollwitz…
Mit mehr als 1800 Werken stellt der bemerkenswerte Bestand – der auf die deutschen und niederländischen Meister vom 15. bis 19. Jahrhundert konzentriert ist – der vom Juristen Ferdinand Siegel (1783-1877) zusammengetragen und im Jahr 1896 von seinen Erben der Stadt Karlsruhe überlassen wurde, die seitdem regelmäßig bereicherte Basis dieser Sammlungen dar. Sie sind das Substrat dieser thematischen Ausstellung, die sich für die breite Palette der visuellen Sprache der Emotionen interessiert: Während sie die Liebe, den Schrecken, etc. erkundet, bietet sie auch einen partizipativen Raum, in dem sich jeder auf spielerische Weise mit dem Papier befassen kann um Origami-Figuren herzustellen. Man bleibt fasziniert von einem Selbstbildnis mit gerunzelter Stirn (1630) von Rembrandt, in dem er gleichzeitig zerzaust und besorgt erscheint, voller Entschlossenheit und von großer Strenge.
Das Werk ist Teil einer Serie von Studien von kleinformatigen Gesichtsausdrücken, die von einem jungen Mann von 24 Jahren graviert wurden, der sie als Modell für die Figuren seiner historischen Gemälde benutzte. Die gerunzelte Stirn zieht alle Blicke auf sich, so als ob sich, mit einer großen Stärke, in wenigen Quadratzentimetern, alle inneren Sorgen manifestierten, die unseren Mann umtreiben. Zur Gattung der „Tronie“ gehörend – es geht darum ein Gesicht zu zeigen, dessen Ausdruck markant, gar übertrieben ist – steht dieses Werk anderen gegenüber, wie drei Kopfstudien (1763) von Christian Wilhelm Ernst Dietrich, der sich vom holländischen Meister inspirieren lässt, der sehr starke Kompositionen liefert. Später verlassen Künstler wie Marlene Dumas oder Arnulf Rainer die Ufer der Kanons der anatomischen Strenge mit Kompositionen, die mit dem „ich“ spielen. Mit Van Gogh (1978), misst sich der Letztgenannte mit seinem Vorgänger in einem Spiel der Überdeckungen und Streichungen, aus dem nur eine Maske in Form eines Oxymorons auftaucht – furchtlos und leidend, beruhigt und verängstigt, etc. – so als ob er versuchte seine Schattenseite auszudrücken. Im Laufe des Rundgangs entfalten sich Meisterwerke wie Maria auf der Rasenbank, das Kind stillend (1503) von Dürer – von unglaublicher Feinheit – oder Der Galgenbaum (1633) von Callot, eine Ätzradierung aus dem Zyklus Les grandes misères de la Guerre, die auf rohe und direkte Weise die Gewalt und den Schmerz zeigt. Die Affekte antworten im Laufe der Säle aufeinander und man bleibt lange ergriffen von Werken wie einem Selbstbildnis, wütend (1922) von Karl Hubbuch, einem hervorragenden Vertreter der Neuen Sachlichkeit: Selten wurde ein Gefühl mit einer solchen Kraft ausgedrückt, zwischen intimem Ausdruck und Metapher für das von zahlreichen Brüchen durchzogene soziale Gefüge der Weimarer Republik.
Im Kunstmuseum Karlsruhe bis 4. Oktober
kunstmuseum-karlsruhe.de



