Pôle Sud: Begegnung mit dem neuen Direktor Yvann Alexandre
Nach 15 Jahren an der Spitze von Pôle Sud, vertraut Joëlle Smadja die Schlüssel des Hauses Yvann Alexandre an. Begegnung.
Sie treten ihre Stelle offiziell am 1. September an. Wie würden Sie ihren Werdegang beschreiben?
Ich bin dem Tanz mit 15 Jahren begegnet im Netzwerk der Amicales laïques, in La Roche-sur-Yon. Dann bin ich in derselben Gemeinde ins Konservatorium eingetreten, dann in jenes von La Rochelle, bevor ich mit 16 Jahren nach Montpellier kam, mit einer Offensichtlichkeit: Was mir gefiel war das Schreiben des Tanzes, die Konzipierung von Aufführungen. Ich habe also mein Tanzensemble gegründet, nach 33 Jahren der Kreation, die auf drei Hauptsockeln aufbaute – der Transmission gegenüber dem Publikum, den Regionen, den Ästhetiken, den Künstlern, etc. ; ein starkes internationales Engagement, das von langem Eintauchen in Québec, Tunesien, Panama oder Madagaskar geprägt ist ; die Leidenschaft für die Installierung von Werkzeugen (Arbeitsvermittlungsstelle, Festivals…) für die Gemeinschaft oder das Publikum um Räume für Tanz, Begegnungen und Ausbildung zu kreieren –, das gerade den Vorhang fallen gelassen hat. Parallel dazu habe ich auch das Théâtre Francine Vasse de Nantes geleitet, zwischen 2019 und Januar 2026. Mit seinem Untertitel „Laboratoires vivants“ konnte ich experimentelle Projekte entwickeln und begleiten, die mein Engagement bestätigt haben im Dienste der Anderen zu stehen. Zwischen 2023 und vergangenem Juli war ich auch Vize-Präsident Musik und Tanz an der SACD [Société des auteurs et compositeurs dramatiques, „Gesellschaft für Autoren und dramatische Komponisten“, Anm.d.Red.]. Ihre Dispositive haben es mir erlaubt, Künstler mit zu programmieren und die Darstellenden Künste und die Choreographie zu verteidigen.
Für Tanz, das Publikum und die Regionen zu Arbeiten ist also der rote Faden, den Sie weiter in Pôle Sud entwickeln werden?
Mit Joëlle teilen wir die gleichen Werte. Pôle Sud hat außerdem die Chance eine Musikschule zu haben, was es erlauben kann andere Räume für Dialoge zu öffnen. Es gibt ebenfalls ein soziokulturelles Zentrum und eine Mediathek in der Nähe, was die Synthese von dem darstellt, was mich ausmacht. Das Projekt, mit dem Titel „Aufeinandertreffen und versammeln“ wird sich also für das Aufkommende interessieren, für alles was aus einer kollektiven Arbeit entstehen kann. Heute ist der Kontext der Kultur sehr besorgniserregend und eine einzige Sache kann uns helfen die Zukunft zu bauen: Die Arbeit an Fragen der Solidarität und der Experimente.
Wie ist ihre Beziehung zu Straßburg?
Ich kenne die Region nicht. Das ist ziemlich neu, denn ich arbeite seit mehr als 30 Jahren, habe aber hier nie gespielt oder eine Aufführung gezeigt. Ich wusste wer Joëlle ist, aufgrund ihres Engagements, ihrer Persönlichkeit aber der Rest war nahe Null. Das war auch Teil meiner Kriterien: Eine ganz jungfräuliche Zone auszuwählen, in der ich keine Geschichte habe, um eine Zukunft zu schreiben. Das versetzt mich in eine andere Stellung. Während der Kandidatur-Phase – die sehr langwierig war, denn ich bin zum ersten Mal im September oder Oktober 2025 gekommen und wurde im Januar nominiert – und meinen zahlreichen Aufenthalten, habe ich mich in die Leute und die Stadt verliebt.
Welche Rolle spielen Sie in der Ausarbeitung dieser Spielzeit?
Joëlle hat sie geprägt; ich werde meine Projekte erst 2027/28 präsentieren. Es war wichtig für mich als Observator anzukommen, die Künstler zu entdecken. Ich habe wirklich das Gefühl, dass mir die Spielzeit anvertraut wurde. Trotzdem gibt es Personen, die ich sehr mag und die ich begleiten möchte, also berücksichtigt das Programm auch wer ich bin. Ich denke insbesondere an Katerina Andreou, die im Rahmen des Festivals L’Année commence avec elles (14.-27.01.) mit Bless this mess (19.01.) zu Gast ist. Der Klang ist hier ein Hauptakteur und die Interpreten müssen sich ohne Unterlass anpassen, in einer Inszenierung, in der es wenig Bühnenbild gibt. Es gibt auch Olga Dukhovna (15. & 16.09.), die die Spielzeit eröffnet. Un spectacle que la loi considérera comme mien ist ein Kurzformat von 30 Minuten, das eine echte Juristin auf die Bühne bringt und über Plagiat spricht. Es ist möglich hierin ein kleines Fenster zu sehen zu dem was ich bin, wen ich begleiten möchte.
Sie sprachen über Katerina Andreou…
Sie ist die neue assoziierte Künstlerin, die im Jahr 2027 den Platz von Sylvain Riéjou einnimmt. Sie ist auch Musikerin und mag es neue Räume zu schaffen, vom Durcheinander auszugehen um gemeinsam Lösungen zu finden. Mit Bless this mess, schaffft sie ein starkes Werk mit sehr repetitiven Systemen und einem starken Engagement des Körpers, das eine beeindruckende kollektive Bewegung entstehen lässt.
Andere Beiträge, die man zitieren könnte?
Catarina Barbosa präsentiert Estranha Forma (14. & 15.01.), ein Solo, das auf Nostalgie basiert. Man findet sich in einer Küche wieder in der sie Kartoffeln in einem eher theatralischen Raum schält (das denkt man wenigstens), sehr populär und schließlich wohnt man einer frechen, modernen, witzigen Aufführung bei, obwohl die Geschichte in der Küche beginnt. Und dann ist da noch Marc Lacourt und Valse avec W… (13.-15.12.). Hier geht es um die Jugend, die er in einem sehr starken Universum und einem Schreibstil zeichnet.
Man kann ebenfalls die Kreationen von Akiko Hasegawa (05. & 06.11.), Sylvain Riéjou (19.02.), Bruno Bouché und Romain Gneouchev (03.-13.06.) erwähnen…
Ich habe nur die Worte, die man mir vermittelt hat, also werde ich aus Gründen der Gerechtigkeit gegenüber anderen Künstlern der Spielzeit ziemlich soft bleiben in meinen Antworten. Akiko ist eine treue Figur von Pôle Sud. Mit Mue… et mues, (é)mues, findet man ihre ganze Tiefgründigkeit wieder und die Sanftheit ihrer Gesten. Sylvain ist ein Künstler, den ich sehr gut kenne und der seine Verbindung mit der Struktur im Mai 2027 beenden wird. Hier sind wir wirklich bei einer Transmission. Elvis a quitté le bâtiment wird in Form einer Arbeitsetappe präsentiert und wird das vereinen, was ihn charakterisiert: Seinen Humor, seine Energie, seine Art und Weise ein Kollektiv zu sein. Auf der Seite von L’Été [gemeinsam präsentiert mit der Opéra national du Rhin, Anm.d.Red.], bringt Bruno Bouché seine ganze Sensibilität auf die Bühne, denn er beschränkt sich nicht darauf die Choreographie zu schreiben, sondern spielt auch auf der Bühne.
Komplettes Programm auf
pole-sud.fr






