Rendez-vous mit den Nordvogesen im Historischen Museum Saar

© Musée français du pétrole, Merkwiller-Pechelbronn 2. Randonneur sous le rocher du Wachtfels,

Das Historische Museum Saar gibt uns ein Rendez-vous mit den Nordvogesen und betrachtet Geschichten aus 10 Museen Frankreichs neu. 

Im Jahr 1998 auf der Höhe des Saarbrücker Schlosses gegründet, nachdem hier Zellen der Gestapo entdeckt wurden, hat das Historische Museum Saar immer den deutsch-französischen Verflechtungen seiner Region ins Auge geschaut, Ergebnis von Kriegen, Grenzen und ebenso unbeständigen wie komplexen Identitäten. Zum Jahresende adaptiert es in drei Sprachen (deutsch, englisch und französisch) eine Wanderausstellung, die vom Service de Conservation du Parc naturel régional des Vosges du Nord konzipiert wurde, der aus den Sammlungen von zehn Museen geschöpft hat, um deren Kulturerbe bekannter zu machen. Dieses Land der kleinen Täler und Wälder, dessen Reichtum die aufeinanderfolgenden Migrationswellen und ein starkes industriekulturelles Erbe ausmachen – insbesondere jene für Eisen, Glas und die weltweit erste industriellen Gewinnung von Erdöl in Pechelbronn – hat Männer und Frauen auf der Suche nach Arbeit angezogen, bevor sich das Savoir-faire ins Ausland exportierte, wie zum Beispiel mit dem „Bleu de Bouxwiller“ oder Gusseisen-Pfannen De Diedrich. Im 20. Jahrhundert sind es einfache Stroh-und Panama-Hüte, die die familiäre Manufaktur Langenhagen in Sarre-Union in mehr als 80 Länder verschickte. 

Zwischen Video-Interviews auf iPads und riesigen Photographien, die die Wände bedecken (darunter die Ansicht eines Felsenhauses in Graufthal, das vom 18. Jahrhundert bis 1958 bewohnt war), wandelt der Besucher zwischen 10 Stationen hin und her, die in Form von thematischen Boxen ikonische Objekte und erstaunliche Geschichten präsentieren: Ein genialer rotierender Bohrkopf des Typs Rotary, Schwarz-Weiß-Portraits von Glasbläsern in Meisenthal im Jahr 1892, deren moderne Nachfolger der Christbaumkugel an mehreren Stellen ausgestellt werden (siehe Seite 86), sowie die Motive der Art nouveau, die Émile Gallé so sehr am Herzen lagen. Wir ziehen unseres Weges auf den Bahngleisen in Elsass und Lothringen, auf den Spuren des Thermaltourismus Mitte des 19. Jahrhunderts anhand eines wunderschönen Werbeplakats für Niederbronn-les-Bains aus der Feder des Straßburgers Lucien Blumer (1871- 1947). Später pilgern die ehemaligen Soldaten und ihre Familien zu den Schlachtfeldern, insbesondere nach Froeschwiller-Woerth (jene vom 6. August 1870). Die Postkarten zeugen auch vom Widerstand gegen die Entwurzelung während der Annexionen, mithilfe von Propaganda-Bildern (Distel und Lothringerkreuz) mit den elsässischen Kopfbedeckungen, die von Hansi populär gemacht und von Jean-Frédéric Wentzel vertrieben wurden, dem Gründer der gleichnamigen Druckerei für Volksbilder in Wissembourg und seiner unglaublichen lithographischen Sammlungen von Stadtansichten aus aller Welt. 


Im Historischen Museum Saar (Saarbrücken) bis zum 26. Februar 2023
historisches-museum.org 

> Konferenz von Ivon Fleck zu Geschichte und Techniken der Glashütte von Meisenthal, Von der gängigen Produktion bis zum Jugendstil, 07.12., im Historischen Museum Saar (19 Uhr), in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Glaskultur 

> Konferenz von Laure Lickel, Das Leben und das literarische Werk der Marie Hart, 24.01., im Historischen Museum Saar (19 Uhr), in Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass 

> Konferenz von Alphonse Walter, Das literarische Tandem Erckmann-Chatrian, Film über Phalsbourg, Porträt des Tandems und Lesung aus dem Werk “L’ami Fritz”, 02.02., (19 Uhr), im Historischen Museum Saar, in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg- Stiftung, Peter Imandt Gesellschaft 

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