À Tire-d’aile: Anna Sommer und Konsorten im Musée Tomi Ungerer in Straßburg
In À Tire-d’aile, geht Anna Sommer einen Dialog mit Werken von Tomi Ungerer ein (aber nicht nur), wobei im Laufe der Räume subtile Korrespondenzen hergestellt werden.
„Als ich klein war, war ich von den Büchern von Tomi Ungerer fasziniert, insbesondere von Allumette und Das Biest des Monsieur Racine. Als man mir diese Ausstellung angeboten hat, bin ich vor Freude gesprungen“, verrät Anna Sommer mit einem breiten Lächeln. Die Unterhaltung unter den Werken des Herrn des Hauses (und einiger anderer Figuren wie Käthe Kollwitz) und jenen der Preisträgerin des Max und Moritz Preises 2024 erweist sich als unglaublich subtil, aus unzähligen Echos gemacht. In einem ersten Saal entfaltet sich eine Kunst voller Finesse einer Künstlerin, die seit dem Anfang der 1990er Jahre einen Großteil ihrer Illustrationen mit zerschnittenem buntem Papier kreiert, dessen Geschichte und Ursprung sie kennt: „Dieses hier kommt aus einer Textilfabrik, die Tests auf Papier durchführte bevor sie auf Stoff druckte“, erklärt sie, als sie auf den Vorhang mit Kaschmir-Motiven einer Komposition mit surrealistischen Akzenten zeigt. Und sie fährt fort: „Die Methode unterscheidet sich von jener der Zeichnung, in der alles auf derselben Ebene ist: Hier muss ich mit dem Hintergrund beginnen, dann in Schichten die verschiedenen Elemente hinzufügen, die ich bis zum Ende verändern kann. Das ist eine große Freiheit“, fasst sie zusammen. Von den ersten Kreationen in schwarz und weiß mit expressionistischen Akzenten – ein Portrait von Rachid Taha für das Magazin Vibrations – bis zu den zeitgenössischen Stücken ist die Entwicklung ergreifend. Der Besucher bleibt zum Beispiel an Maquillage (2021) hängen – mit seinem zarten farblichen Gleichgewicht und seiner diffusen und verstörenden Erotik – oder an einer Darstellung von Nora (2024), die mit einem unerwarteten Humor getränkt ist, sowie einer Eigenartigkeit, die das Markenzeichen der Künstlerin ist.

Im Laufe der Abteilungen entstehen besondere Begegnungen zwischen den Umschlägen von Marcelle Cahn und den Portraits der Schweizer Künstlerin, zwischen den Auszügen aus L’Encre (Frémok, 2023), das von einer Reduzierung der Formen geprägt ist und abstrakten Gemälden aus den 1970er Jahren, aus Treibholz, von Tomi Ungerer, die sehr selten gezeigt werden (und die kurioserweise an einige Gemälde von Jasper Johns erinnern). Der Rundgang endet im Untergeschoss mit einer erotischen Sarabande von starker Eleganz: Die Chambres d’amies (2023), eine lesbische Runde von enormer Zärtlichkeit entfaltet sich zwischen dunklen Blautönen und Schwarz, steht der Serie Fantômes érotiques gegenüber, die in den Siebzigern vom elsässischen Zeichner unter dem Titel Draps-cul-là (!) für Penthouse und Lui realisiert wurde. Diese Faltenwürfe, die in diversen Positionen kopulieren, hinterfragen die Beziehung zwischen Eros und Thanatos mit einem verschmitzten Humor. Es ist auch diese Dialektik, die Anna Sommer erkundet… auf eine andere Weise.
Im Musée Tomi Ungerer – Centre international de l’Illustration (Straßburg) bis 28. Februar 2027
musees.strasbourg.eu





