Die Opéra national du Rhin nimmt die Russischen Ballette wieder auf
Bruder und Schwester, Nijinski und Nijinska stehen im Zentrum eines Triptychons, das den Russischen Balletten gewidmet ist, derer sich die Choreographen Dominique Brun, François Chaignaud und Tero Saarinen annehmen.
Zu den Pionieren des zeitgenössischen Tanzes gehörend, haben sich Vaslav Nijinski (1889-1950) und Bronislava Nijinska (1891-1972) vollständig im Rahmen der Revolution der Künste in Europa, im Laufe des 20. Jahrhunderts, entfaltet. Als Interpreten und Choreographen russischer Ballette zeigten sie L’Après-midi d’un faune (1912), Le Sacre du Printemps (1913) oder auch Boléro (1928), emblematische Stücke, die mit den Prinzipien ihrer Epoche brachen – sie erfanden Körperhaltungen, etablierten die Nutzung der Regungslosigkeit, legten die Sprünge zugunsten einfacherer Gesten beiseite, wie dem Gang, etc. Zu den drei Künstlern, die an diesem Programm teilnehmen, gehört Dominique Brun, die an Adaptationen gewöhnt ist – sie hat schon die Schwedischen Ballette im CCN-Ballet de Lorraine neuinterpretiert – und sich mit L’Après-midi d’un faune von Nijinski beschäftigt. Auch wenn sie schon im Jahr 2007 ihre eigene Vision des Stücks kreiert hat, interpretiert sie diese nun neu, indem sie sich von seiner Übersetzung in Labanotation inspirieren lässt, einem choreographischen System, das darauf abzielt die menschlichen Bewegungen auf graphische Weise zu analysieren (Dauer, Richtung, Intention…). Diese neue Interpretation, die mit Archivstudien angereichert ist, wird von einem Tänzerduo aus dem Ballett des OnR auf die Bühne gebracht und wird zu dieser Gelegenheit in das Repertoire des Ensembles aufgenommen.
Man trifft ebenfalls wieder auf Dominique Brun an der Seite von François Chaignaud in Un Boléro. Im Jahr 2020 von Les porteurs d’ombre uraufgeführt, einem Verein, der von der Choreographin gegründet wurde, präsentiert er sich dem Publikum und unterscheidet sich dabei deutlich von der allerersten Fassung von Nijinska. Damals situiert Letztere ihre Handlung auf und rund um einen Tisch, der zur Ikone geworden ist – für die nicht weniger berühmte Version von Maurice Béjart –, mit 21 Tänzern. Un Boléro kommt seinerseits als Solo aus, das von François Chaignaud interpretiert wird. Mit einem langen bunten Kleid bekleidet, das typisch für die bailaores des Flamencos ist – eine Ästhetik, die eine Anleihe beim Originalprojekt ist, als Echo auf die Faszination der Komponisten des 20. Jahrhunderts für Spanien –, wechselt er Staccatos und intensive Zeitlupen ab, inmitten einer Umgebung, die ebenso eine Hommage an Nijnska ist, wie an andere Figuren, wie La Argentina (Begründerin der Spanischen Ballette). Und schließlich strukturiert der Finne Tero Saarinen Le Sacre du Printemps anhand von HUNT um, einem Solo, das 2002 zum ersten Mal uraufgeführt, seinerseits in das Repertoire des OnR aufgenommen wurde und nun erstmals einem neuen Interpreten anvertraut wird. Die Erkundung des Opfers, die inneren Konflikte des menschlichen Wesens, die Dualität von Leben und Tod stehen im Zentrum des Themas, sublimiert von der traditionellen Musik von Strawinsky, aber dank der Nutzung von Video in der zeitgenössischen Welt verankert…
In La Filature (Mulhouse) am Mittwoch den 10. und Donnerstag den 11. Juni und in der Opéra (Straßburg) vom 25. bis 27. Juni
operanationaldurhin.eu – lafilature.org
> En compteuse, ein Mini-Pas de deux choreographiert von Dominique Brun und interpretiert von den Tänzern des OnR, erfindet das Ende des Sacre du Printemps neu (10. & 11.06., La Filature, Zwischengeschoss)


