Wiederentdeckung von Donas und Archipenko, die in Saarbrücken ausgestellt werden
In Saarbrücken erlaubt es ein Rundgang, der rund 120 Werke versammelt, Marthe Donas & Alexander Archipenko (wieder) zu entdecken, das Power-Paar der Avantgarde.
Die einzige Perspektive von Marthe Donas (1885-1967)? Malen. Für eine Frau, die in einer bürgerlichen Familie in Antwerpen geboren ist, ein Ding der Unmöglichkeit. Im Jahr 1916 installiert sie sich in Montparnasse, arbeitet im Atelier von André Lhote: Der Kubismus ist eine Offenbarung. In Nizza wird ihre Begegnung mit Alexander Archipenko (1887-1964) Funken schlagen. Der ukrainische Bildhauer hatte eine kleine Revolution ausgelöst mit seinem Postulat Leere sei ein Volumen an sich, indem er selbst innerhalb von strukturierenden Elementen Öffnungen vorsah – hauptsächlich Oberkörper und Kopf – in Werken, die von der Bewegung geprägt sind. Einige Jahre lang wird das Duo mit den möglichen Beziehungen zwischen Form, Volumen und Farbe experimentieren. Unter dem Pseudonym Tour d’Onasky – schnell abgekürzt in Tour Donas –, macht sie sich einen Namen, dank Zeichnungen mit einer starken modernen Eleganz, wie Kubistischer Kopf (1917) oder „shaped canvas“ (bei denen der Keilrahmen dem Motiv des Gemäldes folgend ausgeschnitten wird, eine Gattung, die in den sechziger Jahren von Frank Stella popularisiert wurde), zu deren Pionierinnen sie gehört. Man denke an Kubistische Puppe (1917-18) mit unterschiedlichsten Texturen, in dem glatte, zerkratzte und raue Oberflächen sich abwechseln (erzielt anhand einer mit Sand bearbeiteten Emulsion). Das Markenzeichen einer Künstlerin mit sinnlicher Palette, in der Grün, blasses Rosa und perlmuttfarbene Töne mit Anmut aufeinander antworten.


Die Formen strotzen vor Leben. Sind in Bewegung. Wie jene ihres Komplizen, dessen Skulptur-Gemälde – „Reliefs, die in der Regel aus modelliertem und bemaltem Gips gemacht sind“, wie es Marcel Duchamp zusammenfasst – faszinieren, wie bei Zwei Frauen (1920). In der Seele Kubist macht unser Mann Ausflüge zum Futurismus (Tanz, 1912-17), wobei er ohne Unterlass mit konvex und konkav spielt in Kompositionen, die manchmal an den Dadaismus grenzen. Man sieht die zahlreichen Einflüsse, die zwischen den beiden Künstlern am Werk sind, die die Avantgarden zu neuem Leben erwecken, indem sie nach dem Krieg der Puteaux-Gruppe, die 1911 entstanden ist, einen neuen Schwung verleihen. Auch wenn ihre Beziehung sehr schnell, um 1920, in die Brüche geht, zeichnet diese Ausstellung einen intensiven gemeinsamen Weg nach und erlaubt es vor allem die Laufbahn von Marthe Donas hervorzuheben, der nun Gerechtigkeit widerfährt. Ihre Entwicklung ist in einem faszinierenden Ensemble mit drei Zeichnungen und dem Titel Liegender Akt (1915, 1917 und 1920) zu sehen, das vom waschechten Akademismus zu einem weichen Kubismus übergeht, dann zu einer radikalen Abstraktion, die an De Stijl erinnert. Man erinnert sich daran, dass sie sagte: „Mein Wunsch nach Erkenntnis ist nie gestillt. Dennoch habe ich stets nach Synthese, nach einer großen Vereinfachung und nach der Verwirklichung des Unendlichen im Endlichen gestrebt.“
In der Modernen Galerie (Saarbrücken) bis 17. Mai
modernegalerie.org


