Nouveau Réalisme und 1960er Jahre im Herzen von RADIKAL.REAL. in der Kunsthalle Mannheim
Mit RADIKAL. REAL. präsentiert die Kunsthalle Mannheim einen faszinierenden Fokus auf den Nouveau Réalisme und die Kunst der 1960er Jahre.
Die Gründungserklärung der Gruppe der Neuen Realisten wird am 27. Oktober 1960 im Atelier von Yves Klein angenommen. Neben Martial Raysse und Jacques Villeglé gehören zu den berühmtesten Unterzeichnern Jean Tinguely und Daniel Spoerri. Sie werden ihre Epoche revolutionieren… Ihr Kredo? Eine Rückkehr zur Realität als Reaktion auf eine gewisse Lyrik des abstrakten Expressionismus, der damals vorherrschend ist. Ohne nichtsdestotrotz über das Feld der „bildlichen Darstellung“ zu gehen… Diese Unruhestifter nutzen in der Tat Objekte aus dem Alltag. Der Autor des Textes, der Kritiker Pierre Restany, rühmt darin „das begeisternde Abenteuer der an sich wahrgenommenen Wirklichkeit“. Ein Echo bei Arman, der behauptet: „Der Ausdruck des Abfalls, der Objekte, besitzt seinen eigenen Wert, direkt, ohne den Wunsch nach einer ästhetischen Anordnung, die sie überdeckt und sie den Farben einer Palette angleicht.“Ein echtes Aushängeschild dieser Ausstellung, die mehr als 150 Werke versammelt, ist White Orchid (1963), eines seiner Werke und ein weißer MG, den er in einer explosiven Performance in Essen dynamisierte. Der Bildhauer schraubt anschließend das Autowrack auf ein Holzbrett und hängt es wie ein Gemälde auf (oder eine Jagdtrophäe), das an eine zarte Blume erinnert.
Selbst wenn in formeller Hinsicht die Geschichte der Gruppe drei Jahre dauert – zwischen 1960 und 1963 mit einer letzten gemeinsamen Ausstellung bei der Biennale von San Marino – geht ihr Einfluss weit darüber hinaus. Das zeigt dieser begeisternde Rundgang, der zwischen Radikalität, Humor, Provokation und Tiefgründigkeit schwankt. Hier entdeckt man die Gemälde, die von Niki de Saint Phalle mit Gewehrschüssen gemalt wurden, die Kompressionen und andere Ausdehnungen von César, die Anthropométries von Yves Klein oder auch die unnützen hin und her schwankenden und leise klingenden Maschinen von Tinguely. In ihren Kontext verankert, präsentiert sich die Bewegung als ein Erbe von Marcel Duchamp, dem „Anartisten“ der das Konzept des Ready-Mades erfand, einen brutalen Ausflug in die Banalität in der Kunst, von welchem Daniel Spoerri – mit Le Petit déjeuner de Bruno (1965), das hier gezeigt wird – ganz klar der Nachfahre ist. Filigran präsent, besteht die Leitidee darin, ein Fragment der Realität aus seinem Originalkontext zu entreißen: In Kunst verwandelt wird es verklärt und zum Zeugen seiner Epoche erhoben. Eines der schönsten Beispiele dieses Prozesses ist in den zerrissenen Plakaten des wunderbaren Zerreißers zu finden, der Jacques Villeglé war, die die Konsumgesellschaft direkt greifbar machen… und sie mit einer poetischen Gewalt in Frage stellen.
In der Kunsthalle Mannheim bis 11. Oktober
kuma.art





