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Hermann Hesse Bereit zum Aufbruch in der Kunsthalle Messmer

Hermann Hesse, Maison dans la forêt Haus im Wald, Aquarelle Aquarell, 1922

Bereit zum Aufbruch erlaubt es eine andere Facette des Talents von Hermann Hesse zu entdecken, der eher als Schriftsteller, denn als Maler bekannt ist. Und dennoch…

Der große deutsche Romanschriftsteller, der meistgelesene in den deutschsprachigen Ländern, Hermann Hesse (1877-1962), dessen Werk sich an der Kreuzung zwischen dem europäischen Humanismus und der orientalischen Weisheit situiert, hinterlässt auch einen ebenso  beeindruckenden, wie verkannten Bildkorpus: „Als Dichter wäre ich ohne die Malerei nicht so weit gegangen“, erklärte er. Mit rund 130 Aquarellen, Zeichnungen mit Tusche und illustrierten Briefen (aber auch Original-Typoskripten, Erstauflagen seiner Werke, Photographien, etc.), zeigt diese reichhaltige Ausstellung dies auf strahlende Weise. Während der Rundgang mit den Berner Jahren des Künstlers mit Selbstportraits und traumhaften Bildern beginnt, die mitten im Ersten Weltkrieg entstanden sind – wo der Einfluss der Psychoanalyse manifest ist, die der Schriftsteller als Patient von Josef Bernhard Lang, dann Carl Gustav Jung, durchführt –, wird er begeisternd, als er im Jahr 1918 ins Tessin zieht. Der Autor von Siddhartha entwickelt hier ein neues Medium: „Meine kleinen Aquarelle sind Gedichte oder Träume, die nur eine ferne Erinnerung von der „Realität“ geben, indem sie sie nach meinen Gefühlen oder meinen persönlichen Bedürfnissen verwandeln […] ; ich vergesse nie, dass ich […] nur ein einfacher Liebhaber bin“, schrieb er im Jahr 1919 mit Demut an Hélène Welti.

 

Die Landschaften von Montagnola, wo er sich niederließ, inspirieren den Literaturnobelpreisträger 1946 stark. Aquarelle installieren so ein begeisterndes Spiel von Echos mit seinen Erzählungen wie Klingsors letzter Sommer (1920), einer Variation zur Kunst und der Existenz anhand der Figur eines alternden Malers, der dazu verdammt ist zu erblinden. Eine Assemblage geometrischer Formen in strahlenden Farbtönen, die eine souveräne und wilde Natur wiedergeben, die fast exotisch ist (Haus im Wald, 1922), oder Ansicht eines friedlichen Tals am Fuße der Berge – aus prächtigen Vierecken, die dunkelblaue Farbschattierungen erkunden – über dem eine stolze Kirche herrscht (Sorengo, 1922): Die Kompositionen des Autors des Steppenwolfs sind eine Ode an die Landschaft über der manchmal der Schatten seiner illustren Kollegen Louis Moilliet, Cuno Amiet oder auch August Macke schwebt. Es ist eine echte Zartheit wahrnehmbar, die manchmal zu einer utopischen Vision der Welt führt und eine starke Suche nach Harmonie, die daran erinnert, dass Hermann Hesse mehrmals Zeit in der von der Lebensreform beeinflussten Gemeinschaft  die die Rückkehr zur Natur predigte  in Monte Verità verbrachte. In Tessiner Bergdorf (1920) und in vielen anderen Werken entfaltet sich so eine faszinierende Metaphysik der Landschaft.


In der Kunsthalle Messmer (Riegel am Kaiserstuhl) bis 11. Oktober
kunsthallemessmer.de

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