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Auf zur 7. Ausgabe der Biennale der Photographie in Mulhouse

Kapwani Kiwanga, Subduction Study #10, 2018 © Courtesy de l’artiste et de la Galerie Poggi, Paris – ADAGP

Zu einem gemeinsamen Thema – Sedimentation(s) – in 12 monographischen  und kollektiven Ausstellungen, die 54 Künstler vereinen,  verführt die 7. Biennale der Photographie in Mulhouse. 

Ein bizarrer Kieselstein scheint wie in zwei Stücke zerteilt zu sein, die – was Formen und Materialien betrifft – fast perfekt zusammenpassen. Aber nur fast… In Subduction Study #10 (2018) interessiert sich Kapwani Kiwanga für den Raum, der Europa und Afrika trennt, anhand von Photographien von Gesteinsarten (die im Muséum d’Histoire naturelle in Paris konserviert werden), welche von den marokkanischen und spanischen Küsten stammen. Indem sie sie übereinanderlegt, hinterfragt sie die ferne Vergangenheit – jene der Pangaea im Karbon – und eine Zukunft, die dies ebenso ist, denn eine Platte nähert sich der anderen im Rhythmus von 4,8 Millimetern pro Jahr, was, im Endeffekt, das Mittelmeer auslöschen wird. Diese neue Kartographie lädt auch dazu ein die heutige Geopolitik der Migration zutiefst zu überdenken. Dieses an La Filature aufgehängte Bild schreibt sich in eine Gruppenausstellung ein, die den Titel Settled trägt und die „den Archivrahmen hinsichtlich der Geschichte aber auch seiner Schwachstellen neuinterpretiert und dabei die Arten der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit erkundet, die unsere Epoche durchziehen“, fasst Anne Immelé, künstlerische Direktorin der Biennale zusammen. Es steht Werken von Künstlern wie Adji Dieye gegenüber: A long term, Friendship (2022) besteht, zum Beispiel, aus einer spektakulären Gegenüberstellung von Photographien aus den Nationalarchiven Senegals mit anderen, was die aktuelle Entwicklung des Landes illustriert, in dem China stark involviert ist. 

 

Diese Aufnahmen folgen einem Generalthema – Sedimentation(s) – was begeisternde irdische und mentale Geographien generiert, wie phantastische Kristallisationen, die zwischen Geologie-und Gedenkgrabungen schwanken, denn natürlich „funktionieren Photographie, Erinnerung und Archiv nach einer Logik der Stratifikation.“ Der Besucher entdeckt mit Wonne die Serie Développements (2024) von Gaëlle Delort, die im Musée des Beaux-Arts ausgestellt wird – Höhlen, die mit der Fachkamera eingefangen wurden, wie ein Eintauchen in die Entstehung der Erde… und des Mediums –, oder Which way the wind blows (2019), eine Arbeit von Tiago Casanova, die in der Kapelle Saint-Jean gezeigt wird. Der portugiesische Künstler beschreibt sein Projekt als eine „visuelle Erzählung zur Krise der Migranten, die nicht die Krise der Migranten repräsentiert.“ Hierfür hinterfragt er die Wahrnehmung, die die Bewohner der Zukunft von den heutigen Realitäten haben werden: Was werden ihre Mythen sein? Wie werden sie sich um die Mare Nostrum manifestieren? Eine andere Erzählung entfaltet sich rund um Oran von Margot Wallard (in der Gruppenausstellung Bruissements, in der 14. Etage der Tour de l’Europe), wo eine Enkelin von Pieds-Noir* mit Zärtlichkeit eine gewisse „Algerien-Nostalgie“ anhand der Erzählungen ihrer Großmutter erforscht. 


An verschiedenen Orten in Mulhouse und Freiburg im Breisgau vom 5. Juni bis 5. Juli
biennale-photo-mulhouse.com

* Pieds-Noir bezeichnet die sogenannten Algerienfranzosen, d.h. Franzosen, die sich nach der Eroberung Algeriens durch Frankreich dort niederließen und ihre Nachkommen [Anm.d.Übersetzerin]

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