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Eintauchen in La Grande Gare, einen faszinierenden Fächer der klassischen Musik

© Sébastien Grébille

Das Herbstfestival des Festspielhauses in Baden-Baden, La Grande Gare, kultiviert die musikalische Exzellenz, entführt uns von Bach zu Strawinsky, über Beethoven.

Mit seinem postmodernen Dandy-Look à la Huysmans zu den mitreißendsten Dirigenten der Welt zählend, dringt Teodor Currentzis tief in die Partitur ein und erkundet ausdrucksstark jedes noch so kleine Detail, um die Sinne und den Verstand des Zuschauers mit oft überraschenden, stets spannenden Interpretationen anzuregen. An der Spitze seines Utopia Orchestra, eröffnet er das Festival mit einem 100% russischen Abend (07.11.). Auf dem Menu stehen das 1. Violinkonzert von Schostakowitsch (mit Daniel Lozakovich), ein umfangreiches und virtuoses Stück, das mal verträumt und lyrisch ist, mal schrill und energievoll, welches der Frühlingsweihe von Strawinsky gegenübersteht. Diese Bilder aus dem heidnischen Russland, die aus phantastischen Klangblöcken bestehen, die auf kraftvolle Weise aufeinanderprallen, erinnern an einen mächtigen instrumentalen Gesang, in dem sich die letzten Feuer der Romantik auflösen in einer einzigartigen rhythmischen Radikalität, die im Jahr 1913 heftigste Kritik hervorrief. Heute spricht niemand mehr von einem „Frühlingsmassaker“ – der verächtliche Ausdruck stammt vom Musikwissenschaftler Louis Laloy – sondern von einem Monument, das Jacques Rivière mit Weitblick analysierte: „Ein absolut reines Werk. Sauer und hart, wenn man so will, doch kein Saft trübt seinen Glanz, und keine Zubereitung verändert oder verschmutzt seine Konturen.“


Für die anderen Konzerte ist das exzellente Balthasar Neumann Orchestra am Werk, das zunächst die Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach (08.11.) spielt: Ikonische Kompositionen voller Vielfalt und mit einem unglaublichen Schwung, sie sind von einer atemberaubenden Brillanz und ähneln einer lebendigen und umfangreichen Synthese der barocken Musikkunst, ein Schmelztiegel in dem sich französische, italienische und deutsche Einflüsse vermischen. Unter der Leitung von Lionel Sow entfaltet sich anschließend das Requiem von Fauré (14.11.), das die metaphysische Konzeption seines Autors bezüglich des Jenseits widerspiegelt: „Eine glückliche Erlösung, ein Streben nach dem Glück des Jenseits, mehr denn eine schmerzhafte Passage.“ So hat diese Musik weder den Pomp, noch die Schwere einer Totenmesse, wie man sie traditionell hört, sondern ist von einer diaphanen Zärtlichkeit überzogen, die manchmal an ein Wiegenlied denken lässt. Die Debatten enden mit der 9. Sinfonie von Beethoven (15.11.) – ein meisterhaftes Werk, das man nicht mehr vorstellen muss – dirigiert von Pablo González, mit einer teuflisch guten Stimmen-Besetzung, bei welcher der Tenor Julian Prégardien und die Sopranistin Regula Mühlemann aufeinandertreffen.


Im Festspielhaus (Baden-Baden) vom 7. bis 15. November
festspielhaus.de

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