Jazzdor, die 41. : Das Programm des neuen Direktors Vincent Bessières
Mit Vincent Bessières, seinem neuen Direktor, stellt sich das Festival Jazzdor neu auf: Höhepunkte und neue Orte lassen die 41. Ausgabe in eine neugedachte Dimension eintauchen.
Im Juni 2025 haben Sie die Nachfolge von Philippe Ochem angetreten, der seit 1989 den Posten innehatte. Welche Dynamiken möchten Sie entwickeln?
Philippe hatte das Programm bis Ende vergangenen Mai organisiert. Für die Spielzeit 2026-27 bleibt in Anführungszeichen nichts mehr von ihm. Wir überschreiten eine Grenze und stehen zu neuen Formaten und Beiträgen für verschiedene Altersgruppen. Zum Beispiel ist POGO [Petites Oreilles Grandes Ouvertes, NDLR] dem jungen Publikum gewidmet. Ich bin davon überzeugt, dass sich musikalischer Geschmack früh ausbildet. Es liegt also in unserer Verantwortung uns zu fragen, wie man die Kinder für Jazz sensibilisieren kann. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem TJP kreiert, das Le Livre de la jungle (11.11., Grande scène, ab 6 Jahren) empfängt, zwischen Musik und Tanz. Es gibt auch Tout en bleu (08.11., Cité de la musique et de la danse, ab 2 Jahren), ein Beitrag der die ganz Kleinen in das Universum von Miles Davis eintreten lässt.
Dieser letztere steht im Zentrum des Marathon Miles (07. & 08.11., Cité de la musique et de la danse), der seinen hundertsten Geburtstag feiert.
Es handelt sich um ein untypisches Format, das wir zum ersten Mal testen. 12 Gruppen interpretieren sein Repertoire neu, spielen aber seine Alben nicht in identischer Form. Man folgt ihm im Laufe seines Lebens: Der Samstag ist der ersten Hälfte seiner Karriere gewidmet, ist von akustischem Jazz geprägt und der Sonntag schlägt um zu Elektromusik, Rock, Funk, Hip-Hop und Rap.
Sie sprechen davon „die Eingangstüren zu vervielfältigen“: Was verstehen Sie darunter?
Normalerweise bieten die klassischen Säle eine frontale Aufteilung an, bei der das Publikum sitzt. Wir wollen den Zuschauern eine neue Erfahrung bieten: Mit Jazzdor XP (10., 12. & 13.11., Nootoos), werden Akustik-und Elektromusik in 360 Grad ausgestrahlt und die Musiker stehen im Zentrum. Der Straßburger Christophe Imbs trifft auf Musina Ebobissé (10.11.), während Ève Risser sich in Reve Parti mit Adrian’ Bourget (13.11.) zusammentut für eine Mischung aus Techno, Transe, Klavier und Schlagzeug.
Der Große Tag ist ebenfalls eine besondere Initiative…
Am Samstag den 14. November, zwischen 14 Uhr und Mitternacht, treten neun Gruppen im Fossé des Treize, im TJP Petite scène und im Nootoos auf. Jocelyn Mienniel lädt zum Beispiel die Musiker des Festivals dazu ein mit ihm zu feiern und im Moment mit ihm zu improvisieren. Wir hoffen auch, dass wir jüngere Generationen ansprechen, indem wir die acht Preisträger des grenzüberschreitenden Newcomer-Dispositivs Propulsion, das von der Compagnie Tangram ins Leben gerufen wurde, vor ein Publikum unter 30 Jahren bringen (10.-12.11., Le Tigre). Jazzdor organisiert auch die Kreation einer Aufführung mit Enzo Carniel, der beim Begleitprogramm Jazz Migration mitgemacht hat und Elyon, einem untypischen Rapper, der Slam und französisches Chanson verbindet und der an der französischen Netflix-Serie Nouvelle École teilgenommen hat.
An verschiedenen Orten in Straßburg, im Point d’Eau (Ostwald) und in La Maison des Arts (Lingolsheim), in der MAC (Bischwiller) und in der Reithalle (Offenburg) vom 6. bis 15. November
jazzdor.com
> Bailarina, Kreation von Florent Nisse aus Colmar, wird in der Reithalle Offenburg aufgeführt (15.11., Bus ab Place de l’Étoile)
