Hanns Zischler, Ehrengast der 22. Ausgabe von Augenblick
Mit Kurz-und Spielfilmen, Animations-und Dokumentarfilmen aus dem deutschsprachigen Kino, kündigt sich die 22. Ausgabe von Augenblick aufregend an!
Die Filmographie von Hanns Zischler ist beeindruckend – er hat mit so unterschiedlichen Regisseuren gedreht wie Chantal Akerman, Claude Chabrol oder Steven Spielberg –, aber er ist nicht nur Schauspieler. Unser Mann ist auch Autor, insbesondere des genialen Berlin ist zu groß für Berlin, Übersetzer (von Jacques Derrida), Photograph und vieles mehr… Diese große intellektuelle Figur des deutschsprachigen Raums ist Ehrengast von Augenblick, wo unter anderem Im Laufe der Zeit, ein verträumter Roadmovie in der BRD der Siebziger von Wim Wenders und Deutschland Neu(n) Null, ein Meisterwerk von Jean-Luc Godard, eine brillante melancholische Variation zur Geschichte des Landes, gezeigt werden. Das Publikum entdeckt auch Kafka geht ins Kino, den Zischler realisierte, auf den Spuren eines Schriftstellers, der von der 7. Kunst in den Kinderschuhen begeistert war. Im Wettbewerb seinerseits enthüllt sich ebenso Fatherland, in dem er Thomas Mann interpretiert, der im Jahr 1949 zurück in Deutschland ist – er ging 1938 ins Exil in die USA – für die Zweihundertjahrfeier von Goethe. Mit diesem gewaltigen Film setzt Paweł Pawlikowski, der schon der Autor von Ida und Cold War ist, seine Erkundung der Umwälzungen des Europas der Nachkriegszeit fort. Ebenfalls im Rennen sind der vielversprechende Wolves von Jonas Ulrich, ein verblüffender Sprung in den Black Metal und The Frog and the Water von Thomas Stuber, der die unwahrscheinliche Begegnung zwischen einem Jungen mit Trisomie und einem alten wortkargen japanischen Gangster erzählt.
Zu den weiteren Höhepunkten der Veranstaltung gehört die freie Hand, die Audrey Vernon gelassen wird – mit, zum Beispiel, einer Episode von Acht Stunden sind kein Tag, einer Serie von Fassbinder –, einem Kurzfilmwettbewerb oder auch einem Fokus auf Konrad Wolf, einen unumgänglichen Regisseur der BRD, mit Der geteilte Himmel, einem seiner ikonischen Filme. Als Festival am Puls der Zeit erkundet Augenblick auch gesellschaftliche Zonen, die ein Echo auf die Sorgen des Publikums sind: Unter dem Titel Engagierte Jugend, von den Gewissheiten zur Nuance präsentiert ein Teil zum Beispiel Drei Kameradinnen von Milena Aboyan, eine intelligente Überlegung zu den rassistischen Stereotypen und den ordinären Mechanismen des Hasses. Im Fokus zu Intime Genealogien, Identitäten von heute, kommt man nicht an Home Stories von Eva Trobisch vorbei, einer Variation von großer Sanftheit auf den Spuren der Geschichte, die noch im Geist der Deutschen präsent ist und eine intensive identitäre Verschwommenheit hervorruft. Wer ist Lea, 16 Jahre, die in der ehemaligen DDR lebt, zwischen dem Gespenst der Nazidiktatur, Trennung und Wiedervereinigung um den Preis der Auslöschung des Landes?
In den unabhängigen Kinos in Ostfrankreich, die zum Recit (Réseau Est Cinéma Image et Transmission) gehören, vom 3. bis 20. November
festival-augenblick.fr
> Begegnung mit Hanns Zischler am 15.11. (Le Cosmos, Straßburg) und 16.11. (Librairie Kléber, Straßburg) und mit Audrey Vernon am 18.11. (Le Cosmos, Straßburg)
