Grand Tourists to Turner : die Briten erobern die Villa Vauban
Indem sie in Luxemburg die Werke von Britischen Künstlern in Europa zwischen 1750 und 1850 versammelt, erinnert Grand Tourists to Turner an eine belebende Reise.
Für aufgeklärte Geister, Künstler und andere Aristokraten, die die nötigen Mittel hatten (oder das Glück einen Mäzen zu finden) bestand die „Grand Tour“ ab dem 17. Jahrhundert darin, auf eine Entdeckungsreise der Wiege der europäischen Zivilisation und ihrer Wunder zu gehen. Diese Ausstellung, die mit dem Jahr 1750 beginnt – und sich auf die reichhaltigen Sammlungen der Tate stützt – zeigt die Faszination, die Italien damals auf die britischen Maler ausübte, „dieses exquisite Heimatland des Klassizismus“, das William Beckford mit Esprit in seiner Empfindsamen Reise beschreibt. Darunter ist Richard Wilson zu nennen – mit einer zarten Ansicht des Petersdoms vom Gianicolo aus (um 1753) – und John Robert Cozens, der die Ufer des Lago Maggiore von den Borromäischen Inseln (um 1793) aus darstellte, in einem Spiel der bläulichen Spiegelungen voller Raffinesse. Die antiken Ruinen stehen natürlich im Zentrum der Erzählung: Illustration mit einem Ölgemälde auf Papier, das zutiefst romantisch ist, in dem Thomas Jones einen mysteriösen Mönch unter einem Bogen des Kolosseums installiert, das von Unkraut eingenommen wird (1777?), oder eine Komposition, in der Turner mit einer luftigen Anmut die Konstantinsbasilika skizziert (1819).
Nach und nach spürt man wie neue Motive auftauchen: Viele interessieren sich, zum Beispiel, für Landschaften, denen sie auf dem Weg begegnet sind. Der Besucher bleibt sprachlos vor einem alpinen Aquarell des Gletschers und der Quelle von Arveyron von Francis Towne (1781), das zwischen einer chirurgischen Präzision und einem bizarren – und unfreiwilligen – Ausflug zu einer Abstraktion hin schwankt, die aus mineralischen Massen besteht, welche aufeinanderprallen und merkwürdigerweise Georgia O’Keeffe ankündigen. In den folgenden Jahrzehnten der Napoleonischen Kriege wird das Paradigma gewechselt: Auch wenn Italien bei den britischen „Touristen“ beliebt bleibt, ist es nicht mehr das Lieblingsziel. Ab 1817 wählt Turner so die Niederlande und das Rheinland aus für die erste seiner Reisen nach dem Konflikt. Von der Verschiebung die- ses Fokus zeugt eine Pariser Ansicht des Rathauses und des Pont d’Arcole voller Beherztheit (1833) oder eine andere von Zürich (1841-42), in der sich die Stadt im Nebel auflöst, was zeigt, dass unser Mann der Maler der souveränen – gar entfesselten – Elemente ist, in denen das menschliche Wesen zu verschwinden scheint. Es sind ebenfalls sieben Ansichten von Luxemburg aufgehängt, die bei zwei Aufenthalten von Turner (1824 und 1839) realisiert wurden, wertvolle Zeugnisse, die es erlauben eine Geographie zu schätzen, die uns noch heute begeistert, vom Rham-Plateau bis zum Alzette-Tal.
In der Villa Vauban – Musée d’Art de la Ville de Luxembourg bis 11. Oktober
villavauban.lu
> Parallel entfaltet sich eine Ausstellung zu den Englischen Stichen, die dem Verleger John Boydell (1719-1804) gewidmet ist





