Festival international de Colmar : 4. Ausgabe für Alain Altinoglu
Seit vier Jahren bietet der Dirigent Alain Altinoglu ein eklektisches und anspruchsvolles Programm beim Festival international de Colmar an.
Sich die Konturen eines Festivals auszudenken, gleicht einem Gleichgewichtsspiel: „Ich versuche einen Cocktail zwischen Stammgästen – wie dem Pianisten Grigory Sokolov (08.07.) ohne den Colmar nicht Colmar wäre [lacht] – und neuen Erfahrungen zu kreieren, die einem Publikum gefallen können, das ich nun gut kenne“, beschreibt Alain Altinoglu. Und er zitiert als Beispiel „die Blockflöte von Lucie Horsch, der es gelingt, ein neues unglaubliches Bild ihres Instruments zu vermitteln, fern der Stereotype.“ Mit dem B’Rock Orchestra, unter der Leitung von Cecilia Bernardini, nimmt die Virtuosin die Zuschauer mit in die aufeinandertreffenden Universen von Händel, Vivaldi, Telemann und Corelli (09.07.). Man trifft natürlich wieder auf den Dirigenten an der Spitze des Orchestre symphonique de La Monnaie, für zwei Termine. Der Erste ist zutiefst deutsch mit dem ikonischen Walkürenritt von Wagner und zwei Seiten von Richard Strauss, seinen Vier letzte Lieder mit der Star-Sopranistin Masabane Cecilia Rangwanasha und seinem sinfonischen Gedicht nach Nietzsche Also sprach Zarathustra (05.07.). Der Zweite ist zutiefst französisch mit, insbesondere, dem herumwirbelnden Carnaval Romain von Berlioz und dem Concerto pour violoncelle von Saint-Saëns mit Edgar Moreau (06.07.).
Aber Colmar, das sind auch junge Talente mit der atemberaubenden Pianistin Anastasiya Magamedova, die ein 100% weibliches Programm gewählt hat, das ausgetretene Pfade verlässt (06.07.), oder beeindruckenden Stücken von Lili Boulanger, die die romantische Ekstase von Clara Schumann berührt und der Modernität von Cécile Chaminade, ohne die Zeitgenössigkeit von Sato Matsui zu vergessen (mit ihrem mysteriösen Mondvogel). Wir mögen auch die kühne Violinistin Masaki Morishita für einen polyphonen Abend, bei dem die Partituren von Eugène Ysaÿe einen Dialog mit jenen von Heinrich Wilhelm Ernst (08.07.) eingehen. Einige Momente erinnern an die perfekten Allianzen – wie bei dem Konzert, bei dem die Bamberger Symphoniker, unter der Leitung des lebhaften Jakub Hrůša, Brahms (12.07.) spielen – während andere an erstaunliche Begegnungen erinnern. Man denke an das Duo Gambelin, das Gambe von Lucile Boulanger und Bass-Klarinette von Christian Elin kombiniert für einen Mix zwischen alter Musik, Jazz und zeitgenössischer Kreation (10.07.). Und schließlich ist es unmöglich nicht den Colmar Symphonic Mob (12.07.), zu erwähnen, bei dem Laien sich an der Seite von Profis Hits der Klassik annehmen, „der in Colmar zu einer echten Tradition geworden ist, in dem sich alles kondensiert, was ich an der Musik liebe: die Mischung der Gattungen und der Generationen, das Handwerkliche, die Abwesenheit jeglichen Elitedenkens, die Überraschungen“, sagt Alain Altinoglu abschließend, mit einem Lächeln.
An verschiedenen Orten in Colmar – im Koïfhus, um 12:30 Uhr (junge Künstler), im Théâtre municipal, um 18 Uhr (Kammermusik), in der Église Saint-Matthieu, um 20:30 Uhr (Prestigekonzerte) – vom 5. bis 14. Juli
festival-colmar.com






