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Max Slevogt und Bruno Cassirer im Zentrum der Modernen Galerie Saarbrücken

Max Slevogt, Shéhérazade raconte son histoire au calife (Ali Baba) Scheherezade erzählt ihre Geschichte dem Kalifen (Ali Baba), 1901. Photo: Tom Gundelwein

In Saarbrücken erkundet Auf zu neuen Werken die fruchtbare Beziehung zwischen Max Slevogt und seinem Verleger Bruno Cassirer, Anfang des 20. Jahrhunderts.

Der Sohn einer reichen Familie, Bruno Cassirer (1872-1941) gründet, im Jahr 1898, mit seinem Cousin, die Bruno & Paul Cassirer, Kunst- und Verlagsanstalt. Der Berliner Sezession und den französischen Impressionisten nahestehend, stellt das Duo seine Kollegen auf der anderen Rheinseite vor, insbesondere Max Lieberman oder Lovis Corinth. Die beiden Unternehmer trennen sich im Jahr 1901, unser Mann behält den ersten Teil der Aktivität, veröffentlicht Romane – von Dostojewski, Tolstoi, etc. – aber auch illustrierte Bücher und Portfolios, die sich durch eine sehr hohe Druckqualität auszeichnen. In diesem Rahmen ist die Zusammenarbeit mit Max Slevogt (1868-1932), von dem er ebenfalls sehr früh die Bilder gezeigt hat, rund dreißig Jahre lang besonders fruchtbar. Sie realisieren in der Tat mehr als 50 Projekte gemeinsam, zwischen 1903 und 1928. Mit rund hundert Exponaten spiegelt diese Ausstellung auf schöne Weise diese vierhändige Zusammenarbeit wider, die sich ebenso durch redaktionelle Kühnheit wie durch graphisches Experimentieren auszeichnet, in der der Zeichner nicht mehr nur ein einfacher Diener des Buches ist, sondern ein eigenständiger Schöpfer, dessen Werk mit den Geschichten in Resonanz tritt. „Ich achte darauf das Buch dem Industriellen zu entreißen und es dem Künstler anzuvertrauen“, schrieb  Cassirer so im Jahr 1910.


Die Kooperation entfaltet sich zunächst rund um 1001 Nacht – wovon eine zarte Zeichnung von Scheherazade zeugt – mit Ali Baba und die vierzig Räuber (1903), dann Sindbad, der Seefahrer (1908) für den – und das ist eine Innovation – mithilfe einer manuellen Presse Originalgravuren in den Text gedruckt werden: Der Effekt ist ergreifend! Der Zeichenstrich des Malers ist von Lebendigkeit geprägt: Seine lebhaften Linien verleihen dem Bild fast einen animierten Charakter, ganz im Gegensatz zu den feierlichen Kanons einer Gattung, deren schönster Vertreter damals Adrian Ludwig Richter heißt, der für seine Illustrationen der Volksmärchen der Deutschen berühmt ist, die von Musäus gesammelt wurden. Der „Slevogt-Stil“ entfaltet sich von legendären Erzählungen – wie der Geschichte von Rübezahl, einem Berggeist – bis zu mythologischen Epen, wie jenem von Achilleus und anderen Erkundungen der menschlichen Schwächen. Seine Grafikmappe Schwarze Scenen (1905) vereint so sechs Gravuren von extremer Gewalt, die das düstere Gesicht des Menschen zeigen, insbesondere in einem besonders niederträchtigen Messer-Duell. Und schließlich ist man beeindruckt von der illustrierten Ausgabe des Faust II von Goethe, die zwischen 1924 und 1926 realisiert wurde, ein Meisterwerk des Künstlers, das mehr als 500 Lithographien enthält!


In der Modernen Galerie (Saarbrücken) bis 5. Juli
modernegalerie.org 

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