Hommage an Marguerite Hersberger im Museum Ritter mit Zwischenräume
Die radikale und poetische Retrospektive Zwischenräume, die Marguerite Hersberger gewidmet ist, ist ein Eintauchen ins Herz der geometrischen Abstraktion.
Heavy Metal, die neue Präsentation der beeindruckenden Sammlung von Marli Hoppe-Ritter – mehr als 1200 Werke, die die geometrische Abstraktion repräsentieren – hat die Mauern des Museums erobert, das von der Miteigentümerin von Ritter Sport gegründet wurde. Ganz im Einklang mit dem Titel entfalten sich hier Kreationen von Heinz Mack – ein Relief aus Aluminium von 1958 –, François Morellet (die genialen optischen Effekte von Sphères-trames, einer Ikone aus Edelstahl aus dem Jahr 1962), Günther Uecker (Spirale aus angemalten Eisennägeln in einem Viereck, 2002) oder auch Thomas Rentmeister, mit dem brutalistischen Eisenschokolade (2012) aus Stahl. Ihr gemeinsamer Nenner? Sich mit dem Quadrat zu befassen und zu amüsieren, wie eine Anspielung auf die Form der berühmtesten deutschen Schokoladentafeln. Es steht auch im Zentrum der Arbeiten von Marguerite Hersberger (geboren 1943), die in einer monographischen Ausstellung versammelt sind, mit 50 Werken von den 1960er Jahren bis heute, denn sie hat das Foyer der Institution mit einer unglaublichen Wandinstallation in Szene gesetzt.
Der Rundgang beginnt mit Prisma Relief Nr. 10 (1967): Auf einem mit Leinwand überzogenen Holzbrett – „klassischer“ Bildträger der Maler – hat sie acht Prismen aus transparentem Acrylglas installiert, mit unterschiedlichen Formen und Größen, was ein Lichtspiel erlaubt, das sich in alle Richtungen bricht, in Farben, die alle Nuancen des Blaus erkunden. Sie setzt dieses Material auf neue Weise ein, ob in Polissage Nr. 45 (1974) – faszinierendem Farbspiel, das kurioserweise an De Stijl erinnert – oder in Lichtpinsel Nr. 5, (1972-73), bei dem die leitende Glasfaser genutzt wird um traumhafte Effekte zu erzeugen, die an Quallen denken lassen, welche im Ozean treiben. Im Laufe der Säle deklinieren sich die Fundamente, die von der Bildenden Künstlerin aus der Schweiz gelegt wurden: Restriktion auf elementare Formen und Strukturen oder auch permanentes räumliches Spiel zwischen Transparenzen und Farbdichte, Dunkelheit und Licht. Mit Out of the Center Nr. 29 (2006), einer Anordnung aus mehreren Glasplatten, die es erlauben einen dreidimensionalen Effekt zu erzielen, wird der Besucher dazu eingeladen seinen Standpunkt zu verändern um einen komischen Effekt der poetischen Verschiebung zu experimentieren, der der Op Art nahekommt. Man ist ebenfalls beeindruckt von der Sinnlichkeit, die Marguerite Hersberger in strikten geometrischen Abstraktionen vermittelt, indem sie in ihren neuesten Werken mit bunten Schatten malt, wie bei Rhythmische Farbspiele Nr. 23 (2025).
Im Museum Ritter (Waldenbuch) bis 27. September
museum-ritter.de




