Das Werk von Schwitters im Zentrum Paul Klee in Bern
Er war ein Grenzgänger der Avantgarde: In Bern entfaltet sich der Lebensweg von Schwitters in einer extremen Dichte, mit der Merz-Bewegung als rotem Faden.
Unabhängig, das war Kurt Schwitters (1887-1948). Radikal ebenso. Er gründete Merz, eine Bewegung, deren einziger Repräsentant er war und blieb, deren Name ein Fragment von Kommerz- und Privatbank ist. Dieses zerrissene Stück Papier dient als Material für ein grundlegendes Gemälde mit dem Titel Merzbild I (1919), aus dem die vier Buchstaben hervorspringen, die natürlich an Dada denken lassen. Identische Länge, identischer Nonsens und identische Nutzung, in der Schaffung des Kunstwerks, „erbärmliche Überreste einer überholten Kultur“, um die berühmten Worte von Hugo Ball aufzunehmen. Erfindung eines Mannes, dessen Ego größer als das Ritz war, wütend darüber, dass er nicht im Dada-Club in Berlin akzeptiert wurde oder letzter Avatar des Dadaismus? Zweifelsohne ein bisschen von beidem… Diese begeisternde, chronologisch aufgebaute Ausstellung blickt auf die Laufbahn eines Meteors zurück (als Figurativer mit Tendenz zum Akademismus wurde er Expressionist, neigte dann zur Abstraktion, bevor er „merzte“), der einen großen Einfluss auf das 20. Jahrhundert von Jean Tinguely hatte – er erklärte sich als „geschwittert“ – bis zu den Gründern der Arte povera.



Im Laufe der Säle sieht der Besucher wie er in alle Richtungen arbeitet : Poesie, Theater, Malerei, Typographie, Werbung oder auch Skulptur (eine unvollständige Liste), ohne die Collagen zu vergessen, die die zentrale Ausdrucksform des Künstlers darstellen. Kurt Schwitters recycelt darin alles : Briefmarken, Metro-Tickets, Stücke von bemaltem Papier, Stoff-Stücke, Käse-Etiketten, Zeitungsseiten, Restaurant-Rechnungen, etc. Aus „Abfällen“ der urbanen Zivilisation gemacht, sind sie wie Miniaturen, die manchmal bemalt sind, in denen dieser Unrat eine neue Würde erhält. Diese Metamorphose erreicht ihre größte Kraft in kleinformatigen Kompositionen: Merzzeichnung 156 Mitte blau (1920) oder Das Bäumerbild (1920) sind schöne Beispiele dafür. Der Maßstab ändert sich mit dem Herzstück des Rundgangs, einer immersiven Rekonstruktion des Merzbaus der im Jahr 1943 zerstört wurde – an dem er zwischen 1919 und 1933 in seinem Haus in Hannover arbeitete – einer Grotte mit dominierenden Weißtönen, in der die geometrischen Oberflächen wie riesige Tentakel angeordnet sind. In dieser Welt im Inneren der Welt, die die zeitgenössischen Installationen vorwegnimmt, entdeckt man hier eine schiefe Kolonne, dort ein zerbrechendes Gewölbe. Dieses faszinierende Gesamtkunstwerk ist eine strahlende Manifestation der Lust darauf eine Utopie nach dem Ausmaß bzw. Übermaß ihres einzigen Schöpfers zu bauen.
Im Zentrum Paul Klee (Bern) bis 21. Juni
zpk.org
> Ein unglaubliches Klanggedicht von Kurt Schwitters, die Ursonate wird interpretiert von Michael Schmid (18. & 19.04.)
> Geführte Besichtigungen in deutscher Sprache samstags (15 Uhr) & sonntags (13 :30 Uhr)



