Neue Version der Osterfestspiele im Festspielhaus Baden-Baden
Von den strahlenden Persönlichkeiten von Joana Mallwitz und Klaus Mäkelä geprägt, ist die neue Version der Osterfestspiele Baden-Baden verführerisch.
Nach einer langen Bruderschaft mit den Berliner Philharmonikern, deren Osterresidenzen im Jahr 2018 begonnen hatten, haben es die Osterfestspiele verstanden sich neu zu erfinden: Mit einem frischen Schwung bietet das Ereignis zahlreiche Termine, von einem äußerst romantischen Brahms/Schubert-Programm mit der Pianistin Hélène Grimaud (29.03.), bis zu einem Abend mit Liedern von Rachmaninow und Tschaikowski, interpretiert von Asmik Grigorian (04.04.), über vielerlei Beiträge mit Kammermusik. Es wird in diesem Jahr außerdem rund um zwei große Figuren strukturiert. Die Erste heißt Joana Mallwitz: Die Dirigentin mit einer unauslöschlichen Energie, die alle in ihre Vision der Partitur entführt, die künstlerische Leiterin des Konzerthausorchesters Berlin, steht hier am Dirigentenpult des Mahler Chamber Orchestra in einem Lohengrin von Wagner, der von Johannes Erath (28. & 31.03., 05.04.) inszeniert wird. Von einer begeisternden Besetzung unterstützt – insbesondere mit Piotr Beczała in der Titelrolle – kündigt sich diese Produktion bereits jetzt als eine Referenz an. Man trifft wieder auf die „Dirigentin des Jahres“ 2019 – laut dem Magazin Opernwelt – an der Seite des Baritons Matthias Goerne für das War Requiem von Britten (03.03.), geschrieben für die Weihe der neuen Kathedrale von Coventry, die direkt neben den Ruinen von jener errichtet wurde, die im Jahr 1940 durch einen Angriff der Luftwaffe zerstört wurde. Eine spektakuläre Hymne an den Frieden, in der sich liturgische Texte der Totenmesse und Worte von großer Stärke des Poeten Wilfred Owen (1894-1918) überlagen, der ganz zu Beginn des Ersten Weltkrieges gefallen ist.
An der Spitze des königlichen Orchesters des Concertgebouw Amsterdam – eines der besten Orchester des Planeten –, ist die zweite bemerkenswerte Persönlichkeit der Veranstaltung Klaus Mäkelä: Der finnische Dirigent mit dem XXL-Talent hat gerade seinen 30. Geburtstag gefeiert und dirigiert drei Programme mit, zu Beginn, einer Matthäus-Passion von Bach (30.03.), die zur Jahreszeit passt! Im Zweiten, steht das Violikonzert von Bruch (mit Daniel Lozakovich) der 5. Sinfonie von Mahler (01.04.), gegenüber, dessen Adagietto weltweit bekannt wurde durch Luchino Visconti, der es im Soundtrack von Tod in Venedig benutzte. Um die Essenz dieses Stückes zu verstehen, muss man ins Jahr 1901 zurückblicken: Der Komponist entkommt knapp dem Tod und begegnet bei einem Abendessen Alma Schindler. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Von der Obsession des Endes besessen und von der Freude animiert, noch am Leben zu sein und wahnsinnig zu lieben, beendet er auf außergewöhnliche Weise diese Seite, die den Zuhörer ins große Bad der Moderne eintaucht. Die Debatten enden mit der 8. Sinfonie von Bruckner (02.04.), einer riesigen und faszinierenden Klangfreske, die oft als eine Krönung der musikalischen Romantik angesehen wird.
Im Festspielhaus (Baden-Baden) vom 28. März bis 6. April
festspielhaus.de




