Mondrian wird geehrt mit Re-Inventing Piet.

Gerrit Rietveld, Rot-blauer Stuhl, 1918/1972, d’après l’original au Stedelijk Museum Amsterdam, von Cassina, Mailand, Courtesy : Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen © VG Bild-Kunst

Re-Inventing Piet. erkundet auf meisterhafte Weise die geistigen Erben von Mondrian, ausgehend von Werken des niederländischen Künstlers und seiner Zeitgenossen. 

Eine Schallplatte von Johnny Cash, zwei Kissen, drei Tassen, ein Federmäppchen… ein Regal versammelt, am Eingang der Ausstellung unterschiedlichste Objekte, welche die Motive der Gemälde von Piet Mondrian aufnehmen, die auf den ersten Blick erkennbar sind, womit ihre Aneignung über den Kanon des Konsumerismus illustriert wird. Nach diesem Augenzwinkern beginnt der Rundgang mit einem Sprung in den Neoplastizismus, der sich ausgehend von der Revue De Stijl entwickelte, die 1917 von Theo van Doesburg gegründet wurde. Sinnbildliche Gemälde von Mondrian entfalten sich – eine geniale Komposition mit Rot, Schwarz, Blau und Gelb von 1928, in der die Harmonie aus einem subtilen Spiel von Gleichgewicht / Ungleichgewicht entsteht – und jene seiner Zeitgenossen, wie Bart van der Leck. Er verwandelt figurative Motive in geometrische Abstraktion in einem Prozess der Zerlegung und Auflösung, wie es der Untertitel Berglandschaft seiner Komposition Nr. 7 ausdrückt. In diesen Räumen entdeckt man auch Marlow Moss – im Jahr 1930 Erfinderin der doppelten Linie, der erste große Unterschied zum traditiopellen Raster der Bewegung – oder Gerrit Rietveld, dessen wunderschöner avantgardistischer Stuhl ein gemeinsames Kredo illustriert: Das Streben nach einer Synthese aller Künste. 


In einem zweiten Teil wird die Nachwelt von Mondrians Werk erkundet, von der Mode (nach dem ikonischen Kleid von Yves Saint Laurent von 1965 haben sich andere der berühmten Motive bedient, wie Claude Montana bei der Modekette HEMA) bis zu einigen zeitgenössischen Künstlern, die die Prinzipien des Neoplastizismus neu gedacht haben, die in (Re-)Konstruktion vereint sind. Man denke an Joachim Grommek, Meister des Trompe-l’œils, der die Kunstgeschichte (Tilt II, 2005) kritisch hinterfragt oder Mathieu Mercier. In Still Untitled (1999), bastelt er einen Mondrian mit einer dreckigen Sperrholzplatte un schwarzem Klebeband, er schafft ein hybrides Werk: Auch wenn das strenge Gleichgewicht präsent ist, erfährt es einen ungeheuren Bruch aufgrund – oder dank – dieser latenten Unordnung. Ein paar Schritte weiter präsentiert der Ausstellungsteil Subversion Künstler, die die neoplastizistische Harmonie in Chaos verwandeln, wie Dennis Oppenheimer, der die formellen Elemente in eine unförmige Kugel aus Metall und Glas verwandelt – Woven Explosion (Mondrian under Pressure), 1983 – oder Iván Argote, der in einem kurzen Video zwei Gemälde des Centre Pompidou von Piet Mondrian (die von Plexiglas geschützt werden) mit einer schwarzen Linie besprüht (Retouche, 2008). Ein anderer Saal vereint subversive Realisationen, die eine gewisse Dogmatik anprangern wie Luftwaffe – After Mondrian (1976) von Ian Hamilton Finlay, der das Balkenkreuz von den Rümpfen der Flugzeuge der Nazis mit der stilistischen Grammatik eines Malers präsentiert, der im Dritten Reich als entartet eingestuft wurde. Mit Drug (Remix), einem riesigen Gemälde von 2008 schafft Georg Baselitz seinerseits eine eisige Symbiose zwischen den schwarzen Linien eines Swastikas und bunten, blauen, roten und gelben Flächen… 


Im Wilhelm-Hack Museum (Ludwigshafen am Rhein) bis zum 21. Januar 2024 
wilhelmhack.museum 

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