IARA von Laura Arend: Frauen der Vergangenheit und der Gegenwart
In IARA, Uraufführung, die klassischen und zeitgenössischen Tanz mischt, lässt Laura Arend aus Forbach die Kämpfe der Amazonen mit dem Streben der Frauen von Heute nach Emanzipierung in einen Dialog treten.
Ihre Werke lassen sich von Ländern und Kulturen inspirieren. Nachdem Sie sich mit Deutschland, Griechenland oder Indien befasst haben, blicken Sie nach Brasilien. Was hat Sie dazu gebracht sich für dieses Land zu interessieren
Die Geburt meines ersten Kindes hat alles auf den Kopf gestellt. Ich habe etwas gefunden, was größer war als ich, die Stärke die weibliche Kraft in den Vordergrund zu stellen, obwohl ich mich nicht unbedingt als Feministin betrachte. Das Stück Anna (2019) stand im Zentrum einer neuen Vision, die mich dazu gebracht hat aus Frauen den Motor meiner Arbeit zu machen. Und dann habe ich eines Tages einen Podcast über die Amazonen gehört und alles andere folgte.
Verkörpern die drei Interpretinnen historische Figuren, wie es bei Anna der Fall war?
Wir beziehen uns auf mehrere Figuren, wie Marielle Franco, eine Aktivistin gegen Bolsonaro, die vor einigen Jahren ermordet wurde, aber auch Super-Heldinnen wie Wonder Woman, die von Gal Gadot interpretiert wird. In einem Moment sprechen wir von Abtreibung, indem wir die Daten der Legalisierung in der Welt aufzählen, was es uns erlaubt von der Tatsache zu sprechen, dass Frankreich das erste Land war, das sie in die Verfassung aufnahm und somit an den Kampf von Simone Weil zu erinnern. So bietet IARA eine doppelte Lektüre. Man kann darin ein einfaches Ballett sehen, aber wenn man weitersucht, ist es voller Details und Bezüge. Die Repräsentationen sind dennoch nicht frontal: Wenn Mathilde Gal Gadot / Wonder Woman interpretiert, spielt sie vor allem mit der Gestik und nimmt sich eines Elements des Bühnenbildes an um eine Rüstung zu materialisieren.
Es handelt sich um einen schwarzen Umhang, ein wichtiges Element ihrer Erzählung.
Ursprünglich wollte ich, dass das Stück sich um dieses Objekt dreht. Dann habe ich realisiert, dass es mich zu sehr einschränkte. Wir benutzen es viel, es dient als Umhang, Kleid für ein kleines Mädchen oder Decke – die Geschichte beginnt mit Catarina, die es im Bauch hat und es „zur Welt bringt“, bevor Mathilde kommt und dieses Baby in ein Schild für eine Kämpferin verwandelt – aber seine Rolle ist zugunsten der Kostüme kleiner geworden. Die Mädchen wechseln diese häufig, von großen weiten Kleidern wie bei Pina Bausch, zu Tutus, was ebenso die Entwicklung der Persönlichkeiten widerspiegelt, wie die Fast-Fashion und das Hin-und Her zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Diese zwischen den Epochen geschlagene Brücke betrifft auch die Musik…
Talestri, Königin der Amazonen, Oper aus dem 18. Jahrhundert von Maria Antonia Walpurgis Symphorosa von Bayern geht in der Tat einen Dialog mit der Elektromusik des brasilianischen Komponisten Marian ein. Zudem dient das Wiegenlied Canção de Embalar des Portugiesen Zeca Afonso als roter Faden und kommt sehr oft wieder, manchmal in seiner traditionellen Sprache, in Elektroversion oder von den Tänzerinnen gesungen.
Im Grand Théâtre (Luxemburg) am Donnerstag den 26. und Freitag den 27. Februar und beim Tanzfestival Bielefeld am Donnerstag den 23. Juli
theatres.lu – tanzfestival-bielefeld.de
