Die Chroniques der Zeit von Peeping Tom im Grand Théâtre Luxembourg
In Chroniques, der neuesten Kreation der Truppe Peeping Tom, lässt diese ihre Figuren in die Qualen der Zeit eintauchen, inmitten eines mysteriösen Universums.
Die Ästhetik der belgischen Tanz-Theater-Truppe Peeping Tom, die von surrealistischen, ränkevollen und ein wenig beunruhigenden Stimmen geprägt wird, erkannt man auch anhand der Erkundung des menschlichen Daseins. Man denke an die Protagonisten, die Gefangene eines Raums sind, aus dem sie nicht entkommen können, die aber von Besserem träumen, in Diptych: The missing Door and The lost room, oder die Trilogie Vader, Moeder und Kind (2014-2019), die die familiären Beziehungen analysierte. Chroniques ist übrigens die Fortsetzung einer Überlegung, die mit Visita (2022) angestoßen wurde, einer „Fortführung“ von Moeder über die Zeit, die vergeht. Mit diesem neuen Stück schließt die Regisseurin Gabriela Carrizo ihr Quintett diesmal in einem metaphysischen Labyrinth ein. Von einer Epoche in die andere versetzt, inmitten eines Kuriositätenkabinetts voller wiedererkennbarer Objekte und futuristischer Roboter, verleihen sie den Themen der Resilienz und der Transformation eine Gestalt, bis sie, auf indirekte Weise, schließlich die Frage der Unsterblichkeit thematisieren.
Indem sie sich für eine nicht-lineare Erzählform entscheidet, bringt die künstlerische Ko-Direktorin der Truppe, die Bezüge des Zuschauers bewusst durcheinander. Das Konzept der Zeitlichkeit wird nur noch greifbarer, verstärkt von Bühneneffekten, die das Bühnenbild zum Beben bringen und die ein Hin und Her zwischen den Jahrhunderten suggerieren. Ein Tisch mit alchimistischen Zaubertränken aus dem Mittelalter koexistiert so mit einem Spaziergang von Astronauten im Weltall – natürlich mit einer Choreographie, die an fehlende Schwerkraft erinnert – während eine wüstenartige Umgebung voller Felsen zum Spielfeld für kleine bizarre mechanische Maschinen wird, die sich auf unerwartete Weise fortbewegen. Vom Künstlerduo Lolo & Sosaku erdacht, das auf kinetische Skulpturen spezialisiert ist, antworten sie auf die Vorliebe der Gruppe für „lebendige“ Objekte – Türen, die zuschlagen oder sich abschließen, Kaffeemaschinen, die nicht richtig funktionieren, Bettwäsche, die sich von ganz alleine bewegt, etc. – und verankern die Aufführung in einer Kontinuitätslinie des Stils der vorherigen, zwischen traumhaften und albtraumhaften Gefühlen. Die Instabilität, die auch allen Kreationen von Peeping Tom innewohnt, findet sich ihrerseits in den sich verrenkenden und aufwühlenden Bewegungen der Tänzer wieder. An ihr errät man ihren Überlebenskampf, der von den physischen Metamorphosen bestimmt wird, die sie durchmachen müssen, um sich an diese anstrengende Reise anzupassen.
Im Grand Théâtre (Luxemburg) vom 28. bis 30. April
theatres.lu




