Erste Spielzeit von Chrysoline Dupont an der Spitze der Opéra national du Rhin
Seit dem 1. Juli Direktorin der Opéra national du Rhin hat Chrysoline Dupont ihre erste Spielzeit ganz unter das Zeichen von „Das Sensible teilen“ gestellt. Begegnung.
Unzählige Erinnerungen. Vorallem, „die Opern von Richard Strauss, die ich mit meiner Großmutter hörte. Der Rosenkavalier, dirigiert von Carlos Kleiber.“ Für Chrysoline Dupont war „die erste Offensichtlichkeit in der Jugend die Musik. Die Stimme, das Klavier und das Orchester.“ Nach Sciences Po tritt sie wie selbstverständlich in das Team von Gérard Mortier ein, „dem damaligen großen Aufwiegler der Kultur“, an der Opéra national de Paris. Dann wird es das Festival d’Aix-en-Provence sein, das Orchestre de chambre de Paris und die Opéra-Comique, an der sie die künstlerische Sparte leitet. Die Opéra national du Rhin? „Eine Offensichtlichkeit! Ich war eine leidenschaftliche Zuschauerin in diesem Haus, dem Einzigen in Frankreich, das an einer Grenze liegt, mit einer sehr starken europäischen Perspektive in Richtung Deutschland, Luxemburg, Schweiz“, fasst sie zusammen.
Ihre erste elsässische Spielzeit steht im doppelten Zeichen der Vielfalt der Repertoires und des „Vertrauens in die Jugend, indem Regisseure eingeladen werden, die den Blick auf „lyrische Objekte“ erneuern, die man gut zu kennen glaubt. Das ist der Fall bei Eddy Garaudel, dem ich Rigoletto (24.04.-16.05.) anvertraut habe, oder von Myriam Marzouki, die sich für ihr erstes großes Opernwerk an Ariadne auf Naxos (31.10.-19.11.) heranwagt.“ In den kommenden Jahren wird man auf Silvia Costa oder Marie-Ève Signeyrole stoßen… Was die Ästhetiken angeht „mag ich gerne den neu-germanischen post-berlinerischen Eurotrash mit Tendenz radikale Schaubühne, aber diese Spielzeit ist sehr vernünftig“, wirft Chrysoline Dupont lachend ein. Und sie mäßigt sich: „Ein Programm aufzustellen bedeutet nicht sich Freude zu bereiten, sondern eine gerechte Haltung gegenüber dem Publikum und der Geschichte des Hauses einzunehmen.“ Sie wollte, dass „Das Sensible teilen“ das Motto der Spielzeit 2026-27 ist, „um das zu teilen, was uns vereint, und was uns vereint ist das Teilen von Emotionen. Es gibt zu viele Antagonismen und Spannungen in der Gesellschaft um weitere hinzuzufügen.“ Und jene, die gesteht, dass sie vom „Klavier von Debussy berührt wird, den letzten Streichquartetten von Beethoven und den „großen“ von Händel – Alcina, Ariodante, Giulio Cesare – oder den Inszenierungen von Katie Mitchell (ihr Pelléas et Mélisande in Aix im Jahr 2016 oder ihr Herzog Blaubarts Burg in München, im Jahr 2020)“, sagt zum Abschluss: „Die Stärke der Oper liegt im Liveauftritt, der Abwesenheit von Künstlichkeit und der Transkription des unendlichen Flüsterns der Welt.“
Komplettes Programm auf
operanationaldurhin.eu



