Der Naturwein von Christian Binner stimuliert die Geschmacksknospen
Christian Binner, der sich als „Winzer-Bauer“ beschreibt, ist einer der „phantastischen Vier“, die das Elsass mit ihren Pionier-Natur-Weinen revolutionieren. Besuch auf seinem Weingut in Ammerschwihr.
Im Jahr 1999, als Christian Binner die Zügel eines 1770 entstandenen Hauses übernimmt, war sein Vater „schon führend. Papa war der komische Typ des Dorfes: Er hatte die Pestizide zu einer Zeit getestet als alle sie als Wunderlösung ansahen, aber er hatte schnell verstanden… Sehr früh hat er auch versucht den Schwefel wegzulassen. Unsere Flaschen wurden in Paris verkauft, dank einer seiner Freunde, François Hadji-Lazaro, neben jenen von alten Hasen des Naturweins: Pierre Overnoy, Alain Castex, etc.“ Der Sohn hat diese „Verbindung mit dem Lebenden“ aufrechterhalten, auf einem Weingut von 11 Hektar (das pro Jahr rund 60 000 Flaschenhälse produziert), womit er zu einem der „phantastischen Vier“ wurde – mit Jean-Pierre Frick (Pfaffenheim), Bruno Schueller (Husseren-les-Châteaux) und Patrick Meyer (Nothalten), einem untrennbar mit dem Salon des vins libres („Salon der freien Weine“) verbundenen Quartett, der im Jahr 2008 entstanden ist – die die Vorreiter des Naturweins in der Region waren. Weinreben, die in Biodynamik bearbeitet werden, ohne Unkrautvernichter, Pestizide, Düngemittel oder andere Synthese-Produkte, von Hand verlesen für ein Keltern ohne jeglichen Zusatz und keinerlei Korrektur im Keller… Das ist das Leitbild. Was den Schwefel angeht, „ihn zu benutzen k**** mich tierisch an. Ein geschwefelter Wein ist wie ein geschlagenes Kind, das prägt ihn fürs Leben“, sagt er. Und er fügt hinzu: „Ich mag auch keine verrückten Weine. Keinen Schwefel hinzuzufügen ist der Graal. Bis 2022 gelang mir dies zu 100%, aber mit der Klimaerwärmung wird es kompliziert, also mache ich von Zeit zu Zeit ein wenig rein, zu meiner großen Verzweiflung, aber zwischen Erkältung und Pest wähle ich die Erkältung.“

Als emblematischer Wein verbindet SiRose Mazeration, Assemblage (60% Gewürztraminer, 40% Pinot Gris) und Solera – eine Assemblage zwischen Weinen verschiedener Jahrgänge, hier zwischen 2019 und 2022 – für ein verblüffendes und vibrierendes Resultat. Der Winzer gesteht dennoch seine Leidenschaft „für die Likörweine“… zwangsläufig schuldig in einer Epoche, in der der Zucker als Teufel angesehen wird. Er fährt fort, gesteht, dass er „komplexe Flaschen vorzieht, dreidimensional wenn man will, statt zweidimensional, diese heute im Trend liegenden Trinkweine, mit extremer Spannung“. Und er zitiert als Beispiel einen Muscat Hinterburg Spätlese, eine schön aufgebaute Flasche (dank der Kraft der Botrytis, der berühmten „Edelfäule“) die herrlich vollmundig ist und 100% Natur. Indem er auf nette Weise die „Glous-Gous“ auf die Schippe nimmt, diese leicht trinkbaren Weine, die in Mode sind, wenn er VT-Weine in den Vordergrund stellt, die ein echtes sensorisches Abenteuer bieten, schwimmt Christian Binner wieder gegen den Strom, zeigt einmal mehr, dass er nichts von vorgefertigten Meinungen hält.
Domaine Christian Binner
2 rue des Romains (Ammerschwihr)
alsace-binner.com
