Between Selves : das faszinierende Universum von Emil Ferris im Cartoonmuseum Basel
Mit Between Selves wird uns ein Eintauchen in das phantastische Universum von Emil Ferris geschenkt, eine Reise in Welten, die von sehr coolen Freaks bevölkert sind.
Am liebsten mag ich Monster (Panini Verlag, 2018) schlägt bei seiner Veröffentlichung ein wie eine Bombe: Mitte Fünfzig wird Emil Ferris, auf einen Schlag, eine der großen Stimmen des Graphikromans. Das imposante Buch wird 2018 von drei Eisner-Awards ausgezeichnet und ist Preisträger des Fauve d’or beim Festival d’Angoulême im Jahr 2019. Im Labyrinth des Cartoonmuseums entfaltet sich ein Korpus, der vom Kontakt mit den „großen Meistern“ genährt wird, die man in den Alben wiederfindet, von Judith mit dem Kopf des Holofernes von Cranach dem Älteren bis Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte von Seurat. Es stimmt, dass die Künstlerin als Kind von den Meisterwerken des Art Institutes in Chicago hypnotisiert war, vor denen sie lange Stunden verbleiben konnte. Im ersten Saal des Rundgangs liefert die Amerikanerin eine Version mit dem Kugelschreiber (aus tausenden sich kreuzenden Schraffierungen), ihrem Lieblingsmedium seitdem das West-Nil-Fieber sie mit 40 Jahren gelähmt hat. Um die Prognosen der Neurologen zu widerlegen, die behaupteten, dass sie nie wieder zeichnen könne, klebt ihr ihre Tochter jeden Morgen einen Kugelschreiber in die Hand… Schlussendlich werden ihre Finger wieder zum Leben erweckt. Der Besucher entdeckt so Medusa Lisa, in dem die Ikone von Leonardo da Vinci mit einer Haarpracht aus Schlangen ausgestattet ist, aber auch eine Hommage an American Gothic, das legendäre Gemälde von Grant Wood.
Im Laufe der Räume wird ein expressives, großzügiges und engagiertes Werk gezeigt: „Ich glaube an die Kraft der weirdos – der komischen Leute. Sie sind außergewöhnlich.“ Und sie stellt den „bösen Monstern“ – die Autorin ist zum Beispiel kein Fan der MAGA-Galaxie – die „netten“ gegenüber, womit sie jene am Rande der Gesellschaft verteidigt, die Außenseiter und allgemeiner alle jene, die von der Gesellschaft ausgeschlossen und / oder vom Leben gebrochen sind. In ihren Alben und Zeichnungen baut Emil Ferris geduldig eine poetische Stätte der Zuflucht auf, in einer feindlichen Welt, wobei sie unsere durchlässigen Identitäten erkundet. Für jene, die sich als „eine Hexe sieht, bedeutet Schreiben, Zeichnen und das Erzählen von Geschichten zu verhexen.“ Originalpanels, Zeichnungen (von denen einige echte Offenbarungen sind, die mit Tusche realisiert wurden und unglaubliche Chimären darstellen) und andere Dokumente zeugen davon. Sie laden dazu ein der Entwicklung ihrer Kreaturen zu folgen – wie Blemmy, dem Teddybären ohne Kopf, der ebenso süß wie beunruhigend ist – und den anderen neu zu betrachten, wobei sie uns gleich- zeitig einen Spiegel vorhält, der nicht so verzerrend ist, wie man zunächst denken könnte.
Im Cartoonmuseum Basel – Zentrum für narrative Kunst (Basel) bis 15. November
cartoonmuseum.ch
> 06.09. & 25.10. (14 Uhr), Sonntagsführung







