100 fur Hundert erkundet Morellet im Centre Pompidou-Metz
Die breite Retrospektive, 100 für Hundert, die den 100. Geburtstag von François Morellet feiert, entfaltet sich zwischen Vernunft und Unvernunft, den beiden (de)strukturierenden Polen seiner künstlerischen Laufbahn.
Um den hundertsten Geburtstag von François Morellet (1926-2016) zu feiern, versammelt diese breitgefächerte Retrospektive 100 Werke, die zwischen 1941 und 2016 von jenem realisiert wurden, der sich im Jahr 1987, als „monströser Sohn von Mondrian und Picabia“ definierte, bevor er hinzufügte: „Ich habe seit 1952 ein ganzes Programm von Systemen entwickelt, dass ebenso rigoros wie absurd ist.“ Es ist dieses ambivalente Schwanken zwischen Vernunft und Unvernunft (das immer mit Spott unterlegt ist), den ein doppelter chronologischer Rundgang erkundet, der einen „Janus-Bildhauer“ würdigt, der die Flagge der geometrischen Abstraktion sehr hochgehalten hat, die er ohne Unterlass destabilisierte. Als Vorwort sind Gemälde aus der Nachkriegszeit aufgehängt, asketische Still-Leben, die von Trauer getränkt sind, in denen schon ein Verlangen nach Geometrie durchscheint. Indem sie den „Vernunft“-Teil des Ganzen initiieren, präsentieren sich seine ersten abstrakten Gemälde, die Anfang der 1950er Jahre nach der Entdeckung von Max Bill entstanden sind – dem Erfinder der Konkreten Kunst – dem Besucher mit einer Rationalität in gedeckten Tönen, die ihnen eine starke Melancholie verleihen. Sehr schnell konzipiert er eine Systematik, in der das Werk „entworfen werden soll, bevor es realisiert wird, dann auf präzise und neutrale Art ausgeführt. Was allen unseren Vorurteilen gegenüber der Malerei widerspricht“, wie er uns kurz vor seinem Tod anvertraute. Von den Mosaiken der Alhambra inspiriert – und ihrer all over Kombinatorik –, hat unser Mann Ölgemälde kreiert wie Violet-bleu-vert-jaune-orange-rouge (1953), eine hypnotisierende Anhäufung des Zeichens „+“.




Ab 1957 entscheidet sich der Künstler unter anderem dafür mit dem Zufall zu arbeiten – der zu seiner Muse geworden ist – um seine Kompositionen zu schaffen, die dem romantischen Mythos der Inspiration den Hals umzudrehen. Nicht erstaunlich ihn unter den Gründern der GRAV (Groupe de Recherche d’Art Visuel), im Jahr 1960 zu finden, die darauf abzielte den Betrachter in den Prozess des Werkes einzubeziehen und die Figur des Künstlers verschwinden zu lassen. Im Teil „Unvernunft“ der Ausstellung entfaltet sich die Serie Geometrees (begonnen 1983) – in der die Strenge der Linie auf die Unvollkommenheit der Äste der Bäume stößt – oder Werke, die aus einer Folge von Zahlen entstanden sind: „Wenn ich viele brauchte, nahm ich das Telefonbuch, aber schnell habe ich die Zahl π genommen, diese mathematische Ironie, die an einen Wirbelsturm in der wissenschaftlichen Strenge erinnert, mit ihren unendlichen Dezimalen“, erklärt er uns. Seine Mathematik wird dann gleichzeitig verrückt und barock, mit vielen Farbpigmenten und Neonleuchten (aber nicht nur) bis hin zum Überdimensionalen: 4 trames 30° – 60° – 120° – 150° partant d’un angle du mur. Intervalles : hauteur du mur (1977-2026) wird so auf der Fassade des Technicentre SNCF in Metz reaktiviert.
Im Centre Pompidou-Metz bis zum 28. September
centrepompidou-metz.fr
> That’s all for now folks (bis 18.07., Galerie Hervé Bize, Nancy) erkundet die Beziehung zwischen dem Künstler und Jack Youngerman


