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Die Welt von José Muñoz in Broken Voices im Cartoonmuseum Basel

© José Muñoz, Ohne Titel, 2024

Eine umfangreiche Retrospektive wird José Muñoz mit der Ausstellung Broken Voices gewidmet, die die Universen einer der Legenden des Comics erkundet. Eintauchen in die schwarz-weißen Geistesblitze des Schöpfers von Alack Sinner.

Ich bin der Sohn des tagaktiven Expressionismus von Hugo Pratt und des nachtaktiven Expressionismus von Alberto Breccia“, amüsiert sich José Muñoz (geboren 1942). Unser Mann hat sie gut gekannt, ebenso wie Solano López, dem er als Jugendlicher, bei den letzten Seiten der Kultsaga Eternauta half. Aber erst nach seiner Emigration nach Europa, Anfang der Siebziger, wird der Argentinier bekannt mit einer Hardboiled-Krimi-Saga, für deren Story sein Landsmann Carlos Sampayo verantwortlich ist: Die Originalzeichnungen der Serie Alack Sinner (zu der das verkannte Precinto 56 eine Art Vorgänger ist) eröffnen die Ausstellung. Eine irrsinnige Figur mit einem prädestinierten Namen (den man übersetzen könnte als „ich armer, armer Sünder“) und mit einem Körper, der an eine Mischung aus Chuck Connors, Richard Burton und Steve McQueen erinnert. Der ehemalige, blasierte Polizist, der Privatdetektiv geworden ist, aber auch zwielichtiger Taxifahrer, dieser gewalttätige (Anti)Held, der melancholisch, einsam und alkoholabhängig ist, nimmt den Leser mit in ein düsteres New York, das an das Buenos Aires denken lässt, das Roberto Arlt in seinen Romanen beschrieb, „eine fahle Stadt, ein hoffnungsloses Universum, dessen Einwohner Tränen der Wut weinen“, fasst der Grand prix de la ville d’Angoulême 2007 zusammen. Über diesen Geschichten, die zutiefst politisch sind (mit Bezügen zu Vietnam, Nicaragua, etc.) in Form einer Sozialkritik, schweben die Schatten von Dashiell Hammett, Raymond Chandler und von Filmen wie Hexenkessel von Martin Scorcese oder Dein Schicksal in meiner Hand von Alexander Mackendrick. „Jedes Feld hat etwas Plötzliches, Unabhängiges, einen Geistesblitz“, erklärt der Schöpfer, der immer auf der Grenze steht: Zwischen Schatten in absolutem Schwarz und grellem Licht, zwischen figürlicher Darstellung und Abstraktion…


Im Labyrinth der Säle entfaltet sich die Kunst eines Autors, der es schafft das desillusionierte Universum von Joe’s Bar zu übertreffen – eine andere markante Reihe in Form eines Eintauchens in eine Kneipe in einem kaputten Amerika. So entdeckt man phantastische Tusche-Portraits (insbesondere jenes einer Frau, die sich mit zarter Erotik eine Haarsträhne abschneidet), die manchmal auf bizarre Weise an Modigliani erinnern, neuere Landschafts-Ausflüge, die vor Farbe strahlen (ausnahmsweise!), auf den Spuren von Van Gogh, denen ein Ausstellungssaal gewidmet ist, oder auch Illustrationen für Der Fremde von Camus… Der Rundgang endet mit den Portraits von Billie Holiday (und einer Unmenge von Jazzmen) und dem Tango rund um Carlos Gardel: Der Raum ist in Musik gehüllt. Die Tonspur des Ortes wurde von José Muñoz ausgewählt, wie eine musikalische Umsetzung seines graphischen Universums: Hier treffen Chet Baker und Rosita Quiroga, Hernán Oliva und Bix Beiderbecke aufeinander.


Im Cartoonmuseum Basel – Zentrum für narrative Kunst (Basel) bis 21. Juni
cartoonmuseum.ch 

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