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Eine eklektische Ausstellung ist Hella Jongerius im Vitra Design Museum gewidmet

Hella Jongerius in her studio © Vitra Design Museum, photo: Roel van Tour

Die erste Retrospektive, die der Designerin gewidmet ist,  Hella Jongerius: Whispering Things taucht in das üppige Universum  einer großen Kreativen ein, die es geschafft hat neue Wege zu eröffnen. 

Sie hinterfragt ihre Epoche mit Poesie; Hella Jongerius (geboren 1963) ist eine der großen Stimmen des Designs, deren Laufbahn sich anhand von mehr als 300 Ausstellungsstücken in einem Rundgang entfaltet, der in den 1990er Jahren beginnt. Damals bringt sie im Kollektiv Droog die Gewissheiten durcheinander, anhand von organisch-futuristischen Stücken wie Knitted Lamp (1995), in der die abgerundeten Formen zweier Glühbirnen eine Leinwand strukturieren, die aus Glasfaser-Fäden gestrickt ist. Auch wenn die Niederländerin, die schnell zum Star wurde, anschließend mit den multinationalen Unternehmen wie IKEA, KLM oder Camper zusammenarbeitete, hat sie immer in vollem Bewusstsein gearbeitet, nicht den Lockrufen des Marktes nachgegeben, der nur auf Rentabilität setzt und indirekt, auf den Massenkonsum und die Wegwerfkultur. Eine schöne Illustration hierzu liefert das Projekt Generation T, wie Tradition, Transformation, Tableware. Im Jahr 2023 gemeinsam mit der Porzellanmanufaktur Nymphenburg in München begonnen, besteht es darin alten Tellern, Tassen und Schüsseln ein neues Leben zu verleihen, um Verschwendung zu vermeiden. Brave Blumenmuster werden hier von Weeds („Unkraut“) bevölkert, die sich die Designerin ausgedacht hat, während an anderer Stelle lange Drippings über altmodische Motive fließen, was zu sehr aktuellen Kompositionen führt, die die Ästhetik der Collage und Fragestellungen zum Platz des Kulturerbes kombinieren. 


Skizzen, Muster und Prototypen erlauben es die Überlegungen und den Herstellungsprozess von Hella Jongerius zu verstehen, die sich ohne Unterlass mit Farbe und Materialien beschäftigt. Eine beeindruckende pyramidenförmige Installation versammelt 282 Coloured Vases (2010) und erinnert so an die riesige Palette eines Malers. Unter dem Titel Cosmic Mind, unterstreicht der letzte Teil der Ausstellung, der im ersten Stock liegt, die Durchlässigkeit der Grenzen – die schon auf zarte Weise in den vorherigen Räumen am Werk ist – zwischen Kunst und Design. Man denke an die Angry Animals (2025), Bestien aus Keramik, die weibliche Vornamen tragen, mit von einem stummen Wutschrei (gegen das Patriarchat, die übermäßige Ausbeutung der Umwelt, etc.) verzerrtem Gesicht oder an den Frog Table (2007), einen zeitgenössischen Avatar der Werke von François-Rupert Carabin, bei dem sich ein riesiger Frosch zum Essen einlädt; um uns über die Beziehung zwischen Mensch und Tier – die sie auf jeden Fall großschreibt –  nachdenken zu lassen, in einer Perspektive der Gleichheit. Man findet sie in A Frog on the table (2026) wieder, einem faszinierenden Film, der sich die emblematischsten Kreationen der Designerin untereinander unterhalten lässt. 


Im Vitra Design Museum (Weil am Rhein) bis 6. September
design-museum.de

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