Der Künstler Frans Masereel kommt im Musée de l’image d’Épinal zu seinen Ehren
In Épinal beschäftigt sich eine breitgefächerte Retrospektive mit dem vielförmigen Werk von Frans Masereel, einem hoch verehrten Repräsentanten einer Kunst zwischen Revolte und Träumerei.
Aus der belgischen Küstenstadt Blankenberge, in der Nähe von Brügge, stammend hat Frans Masereel (1889-1972) einen Großteil seiner Karriere zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz verbracht. Ein internationaler Einfluss, der von den beiden Weltkriegen geprägt ist, die in seinen Gravuren, Gemälden und anderen Illustrationen hindurchscheinen – er engagierte sich zum Beispiel auf friedliche Weise um den Ersten anzuprangern, realisierte satirische Zeichnungen in europäischen Titeln wie Les Hommes du jour (Frankreich) oder Die Aktion (Deutschland). Diese Rolle als Karikaturist markiert somit einen facettenreichen Ausstellungsrundgang, der sich aus neun Kapiteln zusammensetzt: Zur Einführung ist es unmöglich nicht auf seine „Leidenschaft für die Zeichnung“ zurückzukommen, die schnell von Universen in schwarz-weiß charakterisiert ist, die den Alltag seiner Epoche skizzieren, von seiner Darstellung des Klassenkampfes bis zur Stadt, die jegliche Menschlichkeit zunichtemacht. Man entdeckt anschließend „Der Pressezeichner“, eine Abteilung in der man seine Arbeit für La Feuille wiederfindet (eine in Genf zwischen 1917 und 1920 publizierte Tageszeitung). Le Vainqueur („Der Sieger“, 18.09.1918), eine menschenähnliche Kanone, die Kadaver mit ihrem ganzen Gewicht erdrückt oder La Bienvenue… („Willkommen“, 04.04.1918), ein riesiges Skelett, das die amerikanischen Soldaten empfängt, die an die Front geschickt werden, was von seinem Zynismus und seiner engagierten Haltung zeugt, die über die Zeit hinweg konstant bleiben, denn er wird Mitte des Jahrhunderts an der Entwicklung von Flugblättern im Kampf gegen die Nazis teilnehmen.
In einem dritten Teil, der der Gravur gewidmet ist, attackiert Masereel die kapitalistische Barbarei. Les Fumées („Die Rauchschwaden“, 1920) zeigt zum Beispiel Kolonien von Individuen, nackt und elend, die sich mit den dichten, dunklen Ausdünstungen, die aus den Schornsteinen der Fabriken kommen, vermischen. Le Baiser („Der Kuss“, 1924), ein weiteres Städtebild, fixiert seinerseits die Umarmung zwischen einem Mann und einer Frau, die mit Zärtlichkeit einander zugeneigt sind, vom Fenster ihrer Appartements aus, während das wimmelnde Leben der Metropole um sie herum pulsiert. „Geschichten ohne Worte“ seinerseits, blickt auf die innovative Sprache zurück, die er erfunden hat: Die Kreation einer bebilderten Erzählung ohne jeglichen Text. Als Vorreiter von dem was später graphischer Roman heißen wird, veröffentlicht der Künstler, ab 1918, „25 Bilder der Leidenschaft eines Mannes“, ein tragisches Epos eines Idealisten in der modernen Gesellschaft. Während „Von der Farbe“ einen Ausflug zu seinen schillernden Aquarellen macht –Le petit café (1925) verweist auf die Animation einer Pariser Bar während L’Écluse („Die Schleuse“, 1928) die Hafenaktivität verewigt –, stellt „Die dekorativen Künste“ einen neuen Teil seiner Realisationen vor. Bis Mitte der 1950er Jahre war der Belgier in der Tat dazu eingeladen Basreliefs, Kirchenfenster sowie Steingut zu entwerfen, insbesondere den Dekor einer Vase (1925), die eine Szene aus Grotesk-Film (1921) reproduziert, einem Werk, das im Berliner Verlag J.B. Neumann veröffentlicht wurde.
Im Musée de l’Image (Épinal) bis zum 20. September
museedelimage.fr




