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Fokus auf Don Giovanni in einer Version von Agnès Jaoui, in der Opéra de Dijon

© Mirco Magliocca

Agnès Jaoui lässt den Don Giovanni von Mozart, den sie als eine „Oper der sozialen und sexuellen Domination“ beschreibt, in düsterem Glanz erstrahlen.

Nachdem sie im vergangenen Jahr L’Uomo Femina inszeniert hat, eine verkannte Oper von Baldassare Galuppi, nimmt Agnès Jaoui mit Don Giovanni einen der Hits des Repertoires in Angriff, so dass sie ein begeisterndes Diptychon über die patriarchalische Domination und die Verdinglichung der Frauen komponiert. Sie hat sich dazu entschieden, das Werk von Mozart, das an Bezügen und Interpretationen übersättigt ist, mit „Einfachheit und Demut  zu behandeln. „Es ist so überwältigend, dass ich nicht die Interessante spielen werde, wie meine Mutter sagte [lacht]. Mein Ziel ist es, mich in den Dienst der Partitur und des Librettos zu stellen, indem ich zur Psychologie der verschiedenen Protagonisten arbeite und nach der Logik dessen suche, was sie antreibt, in ihrem tiefsten Inneren, um es zutage zu bringen. Das ist das, was ich am Theater und der Oper am Meisten schätze, denn als Zuschauerin schalte ich ab, wenn ich nicht verstehe, was auf der Bühne passiert, oder wenn ich nicht daran glaube“, beteuert sie. Und sie fährt fort und bezeichnet den großen, bösen Herrn als eine Figur, die „frisst. Er verschlingt alles, das Essen, die Frauen, die Lebewesen… aber ohne jegliche Freude, wie ein Drogenabhängiger. Dieser Mann sieht sich als über dem Gesetz stehend an. Dieses Raubtier glaubt, dass es alles darf, ein bisschen wie Epstein oder Trump. Auf unterbewusste Weise sucht er nach einer Grenze“, fasst sie zusammen. Und die wird er am Ende finden, hier gemischt mit einer Pirouette, die eine sinnreiche Überraschung bereitet, die wir natürlich nicht verraten.


Während das Libretto von Lorenzo Da Ponte präzisiert, dass sich die Handlung in Sevilla im 16. Jahrhundert abspielt, hat die Regisseurin sie leicht versetzt, sie in ein Bühnenbild platziert, „das an ein gotisches Viertel in Barcelona im 17. oder 18. Jahrhundert erinnert, in dem die Last der Inquisition noch spürbar ist. Es handelt sich um eine Art düsteres Labyrinth, das an die Zeichnungen von M.C. Escher denken lässt, mit einer erdrü- ckenden Architektur, in der man immer eingeschlossen ist. Ich wollte nicht die Sonne Sevillas“, unterstreicht sie. Von einer tollen Besetzung unterstützt (in der man Karine Deshayes als Donna Elvira und Dario Solari in der Titelrolle bemerkt), verkörpert diese Produktion einen guten Klassizismus, der jene in der Operlandschaft verankert, die deklariert: „Wenn ich alle Opern inszenieren könnte, würde ich es tun [lacht]“. Während wir auf ihre – sicherlich baldige – Vision von La Bohème von Puccini warten, schauen wir uns den Film L’Objet du délit (Premiere angekündigt für Mai, noch keine deutsche Übersetzung, Anm.d.Übersetzerin) an (den sie geschrieben und realisiert hat und in dem sie insbesondere an der Seite von Daniel Auteuil spielt), der in den Kulissen der Hochzeit des Figaro spielt, in welcher #MeToo auf Mozart trifft. 


Im Auditorium der Opéra de Dijon  vom 19. bis 25. April
opera-dijon.fr 

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