Robyn Orlin und ihre neue gesungene, getanzte und engagierte Kreation
Robyn Orlin lässt uns eintauchen in …alarm clocks are replaced by floods and we awake with our unwashed eyes in our hands…, eine engagierte Choreographie rund ums Wasser.
„Die Radiowecker werden von Überschwemmungen ersetzt und erwachen mit unseren dreckigen Augen in unseren Händen“. So könnte man den Titel – der immer narrativ und poetisch ist – des neuen Stücks der südafrikanischen Choreographin Robyn Orlin übersetzen. „Wir wollen den Stellenwert, die Schönheit und die Realität rund um diese Ressource unterstreichen“, vertraut sie uns an. „Im Moment zieht das Erdöl alle Aufmerksamkeit auf sich, aber bald wird es das Wasser sein. Ich habe das Gefühl, dass in unseren kapitalistischen Gesellschaften so viele Dinge geschehen, dass es ein Fehler wäre es als ein einfaches Modeproblem zu betrachten. Es ist grundlegend und darf nicht auf andere Weise betrachtet werden“, insistiert sie, bevor sie weitere Details zum Ursprung des Projekts nennt, dessen erste Kreations-Etappen auf 2021 zurückgehen. „Corona hat alles unterbrochen. Ursprünglich sollten die Sängerin Camille und die Gruppe Phuphuma Love Minus, mit denen ich schon zusammengearbeitet habe, daran zusammen teilnehmen. Aber Letztere konnte nicht.“ Während eine äußerst reduzierte Version in Lyon entstanden ist, bei den Nuits de Fourvière, hat Robyn Orlin schlussendlich für diese neue Version nur das Skelett behalten.
„Ich weiß noch nicht, wie das alles aussehen wird, aber wir werden Lieder nehmen, die schon von Camille geschrieben und gesungen wurden, a cappella“, fährt sie fort. Dazu werden sich die traditionellen Zulu-Gesänge des Männerchors hinzufügen: „Sie haben verschiedene Harmonien, also besteht das Ziel darin ein Gleichgewicht zu finden. Werden sie zusammen zu einem selben Lied singen? Ich habe keine Ahnung. Die Art und Weise wie sie interagieren wird das zentrale Element sein.“ Eins ist sicher, obwohl die Aufführung rund um Wasser aufgebaut ist, wird nicht ein einziger Tropfen auf der Bühne erscheinen. „Zu offensichtlich“, bestätigt sie. Anstatt dessen, abstrakte Bilder, die an es erinnern, wie die Assemblage aus Regenbekleidung in Blautönen, die einer gigantischen Welle gleicht. Die Nutzung der Kameras, die die Aufführung aus verschiedenen Blickwinkeln live filmen, verstärkt ebenfalls das Eintauchen des Zuschauers in dieses konzeptuelle Universum. Und selbst wenn die Choreographin eine ebenso engagierte Thematik entwickelt, wie in ihren vorherigen Arbeiten, wahrt sie weiter einen Abstand anhand der Behandlung der Wut: „Ich empfinde dieses Gefühl, aber es wäre zu einfach es zu nutzen. Im Theater muss man kreativer sein. Ich ziehe es vor ernste Themen mit einer gewissen Art von Humor anzusprechen, da dies erlaubt die Dinge auf vorsichtigere und tiefsinnigere Weise zu sehen“, erklärt sie abschließend.
In La Filature (Mulhouse) am Mittwoch den 29. April und in der Philharmonie (Luxemburg) am Sonntag den 10. Mai
lafilature.org – philharmonie.lu



