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Neuer Schwung für Palermo Palermo von Pina Bausch

© Oliver Look

Das im Jahr 1989 uraufgeführte Kultstück von Pina Bausch, Palermo Palermo,  kommt mit einer neuen Generation von Interpreten zurück,  die die sizilianische Stadt unter dem Einfluss der Gangs erzählen. 

Die 2009 an Krebs verstorbene deutsche Tänzerin und Choreographin, Gründerin des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch, gehört zu den Pionier-Figuren, die den „Theatertanz“ erfunden haben. Indem sie ihren Arbeiten eine zusätzliche Dimension aus Spiel, Dialog und Gesang hinzufügt, erneuert sie den zeitgenössischen Stil und stellt gleichzeitig die Ängste und Hoffnungen der Menschen ins Zentrum ihrer Werke, in denen sie mit Situationen umgehen müssen, die aus dem echten Leben stammen. Nach einer Residenz in der sizilianischen Hauptstadt, auf Einladung des damaligen Bürgermeisters hin, lässt sich die Künstlerin von dieser Stadt inspirieren, die in die Hände der Mafia gefallen ist, um ihr zweites „Portrait-Stück“ zu entwerfen. Nachdem sie ihre Vision von Rom in Viktor (1986) geteilt hat, geht sie also an die Schwärze von Palermo heran, ihre Korruption, ihre verwüsteten Straßen, ihre Unordnung und den Dreck, die den Alltag der Anwohner vergiften. Angesichts eines solchen Kontextes, verlieren die für gewöhnlich strahlenden Kostüme von Marion Cito an Pracht, Kleider und Anzüge mit Krawatte sind weniger exzentrisch.


Das in seiner originalen Inszenierung und Choreographie wiederaufgenommene Palermo Palermo wird von rund zwanzig Interpreten getragen. Mehr als die Hälfte davon ist erst ab 2020 zur Truppe hinzugestoßen, so dass ein frischer Wind über den Sketchen weht, die vor mehr als dreißig Jahren erfunden wurden – nichtsdestotrotz hat man die große Freude Julie Anne Stanzak wiederzusehen, die von Anfang an dabei war! Zur Eröffnung mit einem brutalen Sturz einer staubigen Backsteinmauer – aber keinerlei Beziehung zu jener von Berlin, die einen Monat zuvor gefallen ist ; Pina Bausch hat dieses historische Echo immer abgelehnt – rennen, schreien, umarmen sich die Künstler im Bauschutt, zeigen zahlreiche verblüffende Bilder. Hier eine Frau, mit Narben im Gesicht, die zur Seite genommen und gesteinigt wird, während eine andere, Behinderte, sich mit Mühe fortbewegt. Einem Kellner wird ein Glas ins Gesicht geworfen… Wasser ist in der Tat eine so begehrte Ressource, dass die wenige Flüssigkeit, die er auffängt, in einem berührenden Ballett von einer Hand in die andere weitergereicht wird bis die Person am Ende der Reihe gar nichts mehr erhält. Hier ernährt sich ein herumstreunender Hund von am Boden hinterlassenen Resten. Dann lässt ein Mann mit spöttischer Miene Äpfel mit Hilfe eines Revolvers springen, wie der Kriminelle von dem das Stück erzählt. Auch wenn es unmöglich ist alle Szenen zu erwähnen, prägen sich die Tristesse, die Hoffnungslosigkeit und das Mitgefühl, das sie hervorrufen, dauerhaft ein. 


Im Grand Théâtre (Luxemburg)  vom 21. bis 23. Mai
theatres.lu

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