Kunsthalle Mannheim: Die Ausstellung Dollhouse ist Kaari Upson gewidmet
Die Kaari Upson (1970-2021) gewidmete Retrospektive Dollhouse erkundet ein radikales Werk für einen schwindelerregenden Sprung in die Psyche.
Im Jahr 2019 bei der Biennale von Venedig, hinterlässt THERE IS NO SUCH THING AS OUTSIDE (2017-19) von Kaari Upson einen bleibenden Eindruck: Von zwei Puppenhäusern inspiriert (die von ihrer Mutter und einer Nachbarin realisiert wurden), die sie entdeckte, als sie Kind war, präsentiert diese monumentale Installation eine Interpretation der zwei Gebäude in menschlicher Größe, während eine in diesem selben Ort gefilmte Performance auf den Bildschirmen ausgestrahlt wird. Das bedrohliche Ensemble erzeugt ein starkes Unbehagen. Eine – physische und soziale – Gewalt scheint in der Luft zu schweben: Der Besucher versteht in der Tat schnell, dass hier etwas Furchtbares geschehen ist. Indem sie diesen physischen Raum materialisiert, lädt uns die amerikanische Bildhauerin in eine psychische Sphäre ein, die von Gefangensein geprägt ist, so als ob sie ihr „mentales Wesen“, das von zahlreichen Ängsten und unerhörten/ungesagten Geheimnissen durchzogen ist, offenbarte. Es sei denn, sie lädt uns zu einem schmerzlichen Abstecher in die Tiefen unseres eigenen Unterbewusstseins ein… Im Rundgang hinterfragen Skulpturen, Videos, Zeichnungen, etc. so die Grenzen zwischen Erinnerung, Identität und sozialer Realität: Indem sie autobiographische Erfahrungen als Matrix für ihre Kreation nutzt, strickt sie universelle Lebenserzählungen. Man denke an Mother’s Legs (2020), einen Wald von hängenden Baumstümpfen, die die Form von Beinen annehmen, mit einer Überlegung über ihre Beziehung zu ihrer Mutter, die sich in einer letzten und rätselhaften Zeichenserie fortsetzt, den surrealistischen Untitled (2020-21), in denen ein Fuß die Nase in einem Gesicht ersetzt.
Ebenso begeisternd ist das kaleidoskopartige The Larry Project (2007-12), bei dem sie sich für einen Nachbarn ihrer Eltern interessiert, den sie nicht kannte, nachdem sie sein verlassenes Haus erkundet hat. Ausgehend von realen Elementen zeichnet Kaari Upson das fantasierte Portrait dieses Mannes, indem sie ein erstaunliches Puzzle kreiert, in dem man zum Beispiel The Grotto (2008) entdeckt, eine Rekonstruktion der Grotte des Herrenhauses von Hugh Hefner, Gründer des Playboys, in der Filme projiziert werden, in denen die Künstlerin super sexualisiert wird. Das Leben und die Fiktion verflechten sich, verwischen die Bezüge, anhand von Latex-Abgüssen von Möbeln, bizarren Zeichnungen, etc. die eine fragmentiert-verträumte Biographie kreieren. Eine delikate Art und Weise die Beziehungen zwischen (möglicherweise) objektiver Realität und (zwangsläufig) subjektiver Fiktion zu prüfen. Die beiden fusionieren – Kaari wird Larry, und umgekehrt – wie in den faszinierenden Kiss paintings (2008), einem Diptychon aus zwei feuchten Leinwänden, die gegeneinandergepresst und dann getrennt werden – bei dem die Gesichter sich ineinander verschlingen. Die Aussage wird anschließend erweitert mit einem Sprung in den öffentlichen Raum ihrer Heimatstadt, San Bernardino, der baufälligen Seite von Kaliforniern – mit ihren Abgüssen von Matratzen, die in den Straßen herumliegen wie 192 (2013) – was ihre Überlegung zur Intimität mit einer scharfen Sozialkritik einfärbt.
In der Kunsthalle Mannheim bis 31. Mai
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