Strasbourg 1560-1600 und die Erneuerung der Künste

- Tobias Stimmer, Les Chars des sept jours : détail avec Jupiter (jeudi) projet pour les sculptures de l'horloge, détrempe sur toile, vers 1571. Musées de la Ville de Strasbourg. Photo : M. Bertola / Musées de la Ville de Strasbourg

Indem sie in wenig bekannte Jahre eintaucht, erkundet Strasbourg 1560-1600 die Erneuerung der Künste im Laufe der Spätrenaissance.

Die Ausstellungskuratorin Cécile Dupeux wollte „eine vernachlässigte Epoche in der Geschichte Straßburgs ins Zentrum stellen, in der Künstler und Ästhetiken sehr in einer Region unterwegs sind, die von zahlreichen Kommunikationswegen durchzogen wird.“ Und es war ein Ding der Unmöglichkeit, „denn die Mangel sind offenkundig, zahlreiche Elemente – gemalte Schilder, Goldschmiedekunst, etc. – sind verloren gegangen“, unterstreicht die Leiterin des Musée de l’Œuvre Notre-Dame. Im Laufe der Säle entfaltet sich nichtsdestotrotz die Dynamik eines der großen europäischen Zentren der Druckkunst (insbesondere mit dem Herausgeber Bernard Jobin), seine protestantischen Autoritäten empfangen zahlreiche Kreative, die vor Verfolgung flüchten wie Étienne Delaune, dessen Gravuren mit Grabstichel von extremer Finesse sind. Wandbrunnen, Truhen, Glasfenster, Kunsttischlerei mit der vor Kurzem renovierten Salle des Administrateurs – deren Besichtigung Teil des Rundgangs ist – und ihren Holztäfelungen mit Intarsien, die aus elf Holzsorten hergestellt wurden, Veit Eck (um 1582) zugeschrieben werden und vor unseren Augen atemberaubende abstrakte Landschaften bilden: Alle Künste gehörten dazu, selbst wenn der Schwerpunkt auf zwei große Maler und Zeichner gesetzt wird.

Strasbourg 1560-1600
Strasbourg 1560-1600 : Wendel Dietterlin, Korinthisches Portal eines Gartens […], 3. Version, Nürnberg, Hubrecht et Balthasar Caymox, 1598,
Strasbourg, Cabinet des Estampes et des Dessins

Ein lebendiger Strich, dessen Spontanität ergreifend ist, gezogen mit chirurgischer Präzision: In seiner Darstellung der Kindheit, einem der Vier Lebensalter zeigt Tobias Stimmer (1539-1584) einen kleinen Jungen, der einen Granatapfel hochhält, was illustriert, dass der Tod von Geburt an in uns ist, da die Frucht die Passion Christi symbolisiert. Diese Skizze auf Leinwand, die nach der Grisaille-Technik in Grautönen realisiert wurde, deren zahlreiche Variationen sie erkundet, ist dazu gedacht den Hohlbeitel des Bildhauers zu führen, der die Holzstatue realisiert welche die Astronomische Uhr der Kathedrale ziert. Der Besucher bleibt ergriffen von der Gegenüberstellung der Werke in zwei und drei Dimensionen, ebenso wie von den neun anderen Skizzen, insbesondere mit einer außergewöhnlichen Prozession der Wagen der Planetengötter. In Straßburg im Jahr 1570 angekommen, wird dieser Meister des ornamentalen Manierismus von der italienischen Kunst geprägt, spickt seine Realisationen mit Erinnerungen an die Antike. Eine andere große Figur heißt Wendel Dietterlin (1551-1599), seine Zeichnungen in der Abhandlung Architectura erinnern an ein oft überladenes dekoratives Trugbild, in dem ein ausladendes korinthisches Portal einer anthropomorphen toskanischen Kolonne gegenübersteht. So kann man nur bedauern, dass die Wandgemälde (von denen faszinierende Projekte in Form von Aquarellen präsentiert werden), für die er berühmt war, alle aus Straßburg verschwunden sind.

Tobias Stimmer, Der Tod schlägt mit einem Schienbein,
um 1571

Im Musée de l’Œuvre Notre-Dame (Straßburg) bis zum 19. Mai
musees.strasbourg.eu

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