Sarah Baltzinger inszeniert Vénus anatomique

© Brian Ca

Die neueste Kreation von Sarah Baltzinger, Vénus anatomique, untersucht die Gebote, die auf Frauen lasten und die Konfiszierung der Darstellungen.

Ihre choreographische Arbeit zum mechanischen und marionettenhaften Körper setzt sich ausgehend von den ersten „anatomischen Venusfiguren“ fort, Darstellungen in Wachs aus dem 18. Jahrhundert…
Während ich meine intimen Fragen zum Weiblichen und seiner Darstellung, die zu einer Konfiszierung des Körpers der Frauen und einem Gefühl der Enteignung geführt hat, fortschrieb, habe ich die Existenz dieser anatomischen Darstellungen entdeckt, die in La Specola, in Florenz kreiert wurden, mit lasziven und sexualisierten Posen

Ihre Tänzer haben Körper-und Hautteile aus Silikon, Symbole einer Erotisierung, selbst am Ort der wissenschaftlichen Studie…
Ich knie mich auf sehr konkrete Weise in diesen Prozess der Konfiszierung hinein. Die ganze Herausforderung liegt für mich darin, die Venus zu öffnen, auf metaphorische Weise. Die Bildhauerin Manuela Benaim, die an Skulpturen von Körpern arbeitet, hat fünf Venus-Plastrons geschaffen, die sich die Tänzerinnen in unserer „Frauen-Fabrik“ anlegen, um die Frage zu stellen, was es braucht um eine zu werden. Der Druck zur Weiblichkeit ist riesig, denn selbst im Tod sollen wir begehrenswert bleiben. Unser Schock gegenüber diesen Darstellungen kommt vom Abstand zwischen unserer Epoche der feministischen Revolution und der Gesellschaft vor 250 Jahren, selbst wenn man nicht vergessen darf, dass die Venusfiguren zur Avantgarde gehörten, denn sie öffneten buchstäblich das, was damals ein Werk Gottes war. Verschiedene Materialien beeinflussen die Gestik, die sich im Laufe des Stücks verändert, wie diese schweren Plastron-Korsette, die die Bewegung einschränken.

Das Stück beginnt mit einem Spaziergang des Publikums durch einen Museums-Bereich, inmitten lebendiger Venus-Figuren…
Ich laden den Zuschauer dazu ein, den Raum inmitten der Venus-Figuren, die vorbereitet werden, zu durchschreiten, um mit der Kluft zwischen der makabren Figur und dem Puls des Lebens zu spielen. Es geht für mich darum, das zu finden, was uns aufweckt und erlöschen lässt. Die anatomische Venus existiert nur im Blick des Betrachters. Wie kann man sich von diesem Moment an vom Ziel ihrer Herstellung trennen? Wer erlaubt es sich zu befreien?

Sie versprechen ein bissiges und brutales Ende. Um die Botschaft nicht einzuschränken?
Das ist das Wichtigste. Uns bleibt eine Woche für Proben, um der Absurdität den letzten Schliff zu geben, die die Dinge offenlässt. Wir wurden genügend mit Happy Ends gefüttert und ich glaube, dass die Komplexität des Lebens stärker ist.

Sarah Baltzinger: Vénus anatomique
Sarah Baltzinger: Vénus anatomique

Im Grand Théâtre de Luxembourg am Dienstag den 5. und Mittwoch den 6. Dezember, dann 2024 in L’Arsenal (Metz) am Donnerstag den 18. Januar und im Centre culturel Opderschmelz (Dudelange) am Montag den 25. März im Rahmen des Festivals We Love Girls

theatres.lucitemusicale-metz.fropderschmelz.lu

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