Opéra de Dijon: Fidelio, von Cyril Teste neu interpretiert

© Stefan Brion / Opéra-Comique

Mit einer Aufführung, in der dem Video ein Löwenanteil zukommt, versetzt Cyril Teste Fidelio von Beethoven in ein Hochsicherheitsgefängnis.

Schluss mit dem Gefängnis in der Nähe von Sevilla, im 17. Jahrhundert, dem Rahmen, wie ihn sich Beethoven (und seine Librettisten Joseph Sonnleithner und Georg Friedrich Treitschke) für seine einzige Oper wünschten. Cyril Teste installiert seinen Fidelio in einem „Supermax“, das man sich in den USA vorstellt, eine Strafvollzugsanstalt mit höchsten Sicherheitsstandards, in der die Gefangenen isoliert sind und pausenlos gefilmt werden: „Das künstliche Licht nimmt den Insassen jegliches Zeitgefühl. Erinnerung und Identität lösen sich an einem Ort auf, an dem alle Gesten überwacht werden. Es gibt keinen toten Winkel, wie in einer Gesellschaft, in der ein Hors-Champ kaum noch möglich ist“, fasst er zusammen. Die Stimmung eines Todestraktes. In diesem eisigen, metallischen und sterilen Universum entfalten sich glühende Gefühle und eine Musik, die zu den Schönsten gehört. Hier getragen vom Orchestre Dijon Bourgogne unter der Leitung des exzellenten Adrien Perruchon. Der politische Gefangene Florestan wird von der Ouvertüre an verprügelt, zweifelsohne um die Unmenschlichkeit solcher Räume aufzuzeigen, deren berühmtester Vertreter Guantanamo ist. Sieben riesige Bildschirme vervielfältigen die Aktion. Die in Echtzeit gefilmten Gesichter werden in Großaufnahme gezeigt. Beunruhigend. Sie verwandeln sich in Bilderwände, in denen die Wärter die Aktion wie das Publikum verfolgen. Das Unterdrückungs-Werkzeug der Kamera, das von den voyeuristischen Gefängniswärtern benutzt wird, kann sich nichtsdestotrotz in eine befreiende Waffe verwandeln, die mächtiger ist als eine Knarre.

Opéra de Dijon
Opéra de Dijon: Fidelio © Stefan Brion / Opéra-Comique

Für den Regisseur „liegt der Schwerpunkt der Oper im Widerstand. Die schönste Art des Widerstands ist der Betrug. Léonore, die Ehefrau des Gefangenen, wechselt ihre Identität. Diese Verkleidung trickst das ganze Dispositiv aus, da sie auf gewisse Weise Fiktion in ein Dispositiv der Realität einführt und damit das System umkehrt. Sie verlässt diesen Initiationsweg nicht unversehrt, bleibt aber integer.“ Als starke weibliche Figur wird diese Eurydike, die ihren Orpheus in der Gefängnishölle sucht – und ihn aus ihr herausholt – „das System nicht zersprengen, sondern es umprogrammieren. Darin liegt der Unterschied zwischen der Revolution und dem Widerstand, selbst wenn man die Frage nach dem Ende stellen kann“ mit der triumphalen Befreiung von Florestan durch Don Fernando. Dieser letzterer „ist er nicht ein einfacher Opportunist, der diese Befreiung für sich beansprucht? Man denkt an diese Politiker, die sich eines Machtumsturzes bedienen, um daraus ein Instrument der Macht zu schaffen.

Opéra de Dijon: Fidelio

Im Auditorium der Opéra de Dijon vom 8. bis 12. November
opera-dijon.fr

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