Auf und davon! schon in der Antike im Antikenmuseum Basel
Indem sie untersucht, wie Menschen seit Jahrtausenden unterwegs sind, zeigt Auf und davon!, dass die Herausforderungen in der Antike den unsrigen sehr ähnlich waren.
Ein düsterer Raum, in dem der Boden an einen Strand erinnert, dank Projektionen, die Meeresbrandung simulieren. Im Zentrum ein Gebäude – auf dessen Wänden Bilder auftauchen, die die vergangene und gegenwärtige Migration thematisieren – und in verschiedenen Ecken, Ausstellungs-Strukturen in Form von Holz-Schiffchen. In dieser schönen Inszenierung entfaltet sich ein stimulierender Rundgang, der zunächst daran erinnert, dass das Mittelmeer schon in der Antike ein Raum der Mobilität war: Handel, Invasion der „Völker des Meeres“ oder auch mythologische Abenteuer, etc. So wird die älteste bekannte Repräsentation der Sirenen in der Odyssee gezeigt, die sich auf einem korinthischen Aryballos aus dem Jahr 590 vor Christus befindet. In Athen installierten sich außerdem „Fremde“ wie der Maler und Töpfer Amasis, der im Nil-Delta geboren wurde, der einer der Meister der Keramik mit schwarzen Figuren war. Davon zeugt eine prächtige Amphore, die Artemis zeigt, die zwei Löwen hält. Sein Rivale Exékias machte sich über ihn lustig, indem er ihn auf einer Vase repräsentierte, mit graphischen Codes, die auf seine Wurzeln verweisen.



Es werden die Gründe für die Migration untersucht, ob freiwillig oder erzwungen – Kriege, Hungersnöte, Sklaverei, klimatische Ereignisse, Überbevölkerung, etc. – und ihre Konsequenzen. Einige werden als positiv bewertet und, wie so oft, in einen Mythos verwandelt: So soll Kadmos (einer der Söhne des phönizischen Königs Agenor von Tyros, also ein Immigrant), der legendäre Gründer der Stadt Theben, das phönizische Alphabet nach Griechenland gebracht haben. Auf einer wunderschönen Lekanis mit roten Figuren sieht man, wie er gegen einen Drachen kämpft. Zum Abschluss werden die Reaktionen der Gesellschaften, die die Migranten empfangen, analysiert, zwischen Akzeptanz und Rassismus, wie es der Kopf eines Subsahara-Afrikaners aus dem 1. Jahrhundert vor Christus voller Stereotype zeigt, der aus Alexandria stammt. Auch die politischen Antworten werden betrachtet, die zwischen Ausschluss und Integration schwanken, vom athenischen Gesetzgeber Solon bis zum Edikt von Caracalla aus dem Jahr 212, das allen freien Männern des Reiches die römische Staatsbürgerschaft verlieh. Eine „humanistische“ Maßnahme oder die finanzielle Absicht den Zirkel von jenen zu vergrößern, die den Steuerabgaben unterworfen sind? Man muss sich die Zeit nehmen in die Texte einzutauchen, wunderbare Artefakte zu betrachten, um zu verstehen, dass „die damaligen Sorgen den unsrigen schrecklich ähnlich sind. Die Menschen sind mit denselben Hoffnungen und Ängsten konfrontiert“, fasst Dr. Esaù Dozio, der Kurator dieser begeisternden Ausstellung, zusammen. Und schließlich erlaubt es ein Raum im Herzen des bereits erwähnten Gebäudes in Ruhe über diese schwerwiegenden Fragen nachzudenken, mit an die Wände geworfenen Zitaten von Autoren wie Seneca, Epiktet, Aelius Aristides… man verlässt die Ausstellung vielleicht nicht als besserer Mensch, aber intellektuell bereichert.
Im Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig (Basel) bis 18. April 2027 (Audioguides in französischer, deutscher und englischer Sprache)
aufunddavon.antikenmuseumbasel.ch
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