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Cezanne kommt in der Fondation Beyeler zu Ehren

Paul Cezanne assis dans son atelier des Lauves Photo : Bernard Emile (1868–1941) Paris, musée d’Orsay

Indem sie einen beeindruckenden Korpus des letzten Lebensabschnitts von Cezanne vereint, zeigt die Fondation Beyeler, dass er der Pionier der Moderne war. 

Mitte der 1880er Jahre hat sich Paul Cezanne (1839-1906), der in Aix-en-Provence wohnte, von den Ufern des Impressionismus entfernt und seine Palette befreit um in ein anderes Bilduniversum einzutauchen. Von Picasso als „unser aller Vater“ bezeichnet, setzt er sich so als der Erste der „Modernen“ durch. Mit 58 Ölgemälden und 21 Aquarellen präsentiert diese thematisch aufgebaute Ausstellung mit Glanz und Gloria Hauptwerke, wie zwei Versionen der Kartenspieler – die eine wird aufbewahrt in der Courtauld Gallery in London (1892-96), die andere im Musée d’Orsay in Paris (1893-96). Der Besucher sieht wie der Künstler die Konventionen aufgibt, indem er sich, zum Beispiel, mit den anatomischen Proportionen amüsiert: Der Knabe mit der roten Weste (1888-90), dessen rechter Arm, sowie das Ohr, überdimensional groß sind, zeugt davon. An anderer Stelle lässt er bewusst einen Teil der Leinwand jungfräulich: Nur dem Anschein nach unvollendet, installieren Werke wie Der Mont de Cengle (1904-06) oder Die Montagne Sainte-Victoire, in der Umgebung von Gardanne (um 1887) ein extrem subtiles Gleichgewicht, zwischen Farbmassen und weißen Flächen, die dem Betrachter ein offenes Ende anbieten. In einem Brief, den er im Jahr 1874 an seine Mutter schrieb, behauptete er außerdem: „Ich muss immer arbeiten, nicht um zum Ende zu gelangen, das die Bewunderung der Dummköpfe hervorruft.“ Und was wäre, wenn die sogenannte Unfertigkeit die höchste Vollendung darstelle?

 

Cezanne ist sich der Ursache der Geometrisierung bewusst geworden“, schrieb Malewitsch: In seinen Still-Leben sind Äpfel, Birnen, Pfirsiche, etc., aber auch Gläser, Vasen, Krüge und Flaschen auf elementare Formen reduziert (Kugeln, Zylinder und so weiter), nach einer rigorosen Bildarchitektur aufgebaut, die in gewisser Weise den Kubismus ankündigt. Die neun Ansichten von Sainte-Victoire sind sinnbildlich für die Art und Weise wie er auf dem Bildträger, Leinwand oder Papier „farbige Sinneseindrücke“ fixiert, wobei es ihm wie keinem zuvor gelingt vergängliche Augenblicke herauszukristallisieren. Während der Schriftsteller „sich durch Abstraktionen ausdrückt, […] konkretisiert der Maler, mit Hilfe von Zeichnung und Farbe, seine Empfindungen und Wahrnehmungen“, unterstrich er. Und schließlich üben sechs Werke eine starke faszinierende Wirkung auf den Betrachter aus, zum Thema der Badenden – ein Thema, dass er mehr als 200 Mal bearbeitet hat! Die Körper scheinen mit der Landschaft zu verschmelzen, die Figuren lösen sich nach und nach auf, in Kompositionen von extremer Modernität, die den Weg seiner Nachfolger vorbereiten.


In der Fondation Beyeler (Riehen / Basel) bis 25. Mai
fondationbeyeler.ch

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