Die Vergangenheit war noch nie so aktuell mit Premières in Straßburg
Wiederbelebte Vergangenheit Eintauchen ins Herz von Premières, die Plattform, die die neuen europäischen Talente präsentiert und in ihrer vierten Ausgabe, neue Generationen und Einflüsse der Vergangenheit zusammenführt.
Im Jahr 2023, nach acht Jahren Abwesenheit, von Barbara Engelhardt wiederbelebt, stellt das Festival Premières die Arbeiten von jungen in Europa arbeitenden Regisseuren ins Rampenlicht. In dieser Spielzeit kehren sechs interdisziplinäre Performances die Wurzeln der – intimen oder kollektiven – Geschichte um und erkunden ihre Echos in unserer Welt. Zu nennen ist sie wachen über dich (06. & 07.11., in deutscher, englischer und spanischer Sprache mit französischen Übertiteln), ein Stück, das Klang und Video aufeinandertreffen lässt. Die aktuellste Kreation des internationalen Kollektivs what about: fuego, „beschäftigt sich mit der generationsübergreifenden Frage, der Tatsache sich der Technologie, ohne zu überlegen, zu unterwerfen“, unterstreicht die Direktorin des Maillon. Und sie führt fort: „Sie gehen von der Geschichte ihrer Großmütter aus, von denen eine, eine Schweizerin, sich beobachtet fühlte. Damals konnte das eine große Angst hervorrufen, denn ein Bürgermeister, eine Lehrerin oder sogar ein Arzt konnten eine arme Familie denunzieren und damit drohen die Kinder in einem Heim unterzubringen.“ Indem sie sich auf die Dispositive der sozialen Kontrolle in der Schweiz stützt, aber auch auf die Jahre der Militärdiktatur von Pinochet in Chili oder auch das Spitzelnetzwerk, das in Ostdeutschland sein Unwesen trieb, stellt die Truppe eine einfache, aber dennoch tiefgründige Frage: Was kann man aus den Erfahrungen der Überwachung, die die vorherigen Generationen erlebt haben lernen, in einer Gesellschaft, in der das Digitale Teil des Alltags ist?
Mit Autothérapie (10. & 11.11., in französischer und englischer Sprache mit französischen und englischen Übertiteln), erforscht Mackenzy Bergile, „ein Tänzer mit besonderer Gestik, seine haitianischen Wurzeln und die Beziehung zur Sklaverei.“ Jener, der schon mit Emmanuel Eggermont zusammengearbeitet hat, setzt vermehrt Kostüme ein, verbindet seine persönliche Recherche mit der Geschichte seines Volkes, das Opfer des Atlantischen Dreieckshandels war. Die Verwendung einer Reihe von visuellen Sketchen findet eine Resonanz in The Killing of The First Person (06. & 07.11., in englischer Sprache mit französischen und deutschen Übertiteln, ab 15 Jahren). Das Werk des chilenischen, in Amsterdam lebenden Autors und Poeten Nicolás Lange schöpft aus Szenen historischer Barbarei – Männer, die der Sodomie angeklagt waren, wurden im 15. Jahrhundert in Florenz öffentlich verbrannt – um „über strukturelle Gewalt zu sprechen, wenn man nicht der Norm entspricht“, fügt Barbara Engelhardt hinzu. Der Finne Pauli Patinen durchstreift seinerseits die Kunstgeschichte, ihre Referenzen und ihre Anleihen. In einer faszinierenden schwebenden Kiste fragt sich Steal This Performance (12.-14.11., in englischer und finnischer Sprache mit französischen und deutschen Übertiteln) welcher Sinn hinter der Kraft der Kreation steckt, wenn sich alles (oder fast) gegenseitig selbst beeinflusst.
Im Maillon (Straßburg) vom 6. bis 14. November
maillon.eu
> Kulturbus ab Offenburg (12.11., Steal This Performance)
