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Die Photographien von Martin Parr im Kunstmuseum Karlsruhe

© Martin Parr_Magnum Photos


Komisch und kaustisch, absurd und spitz: Das sind die Photographien von Martin Parr, von denen ein breites Ensemble in Parrathon präsentiert wird.


Als aufmerksamer Beobachter der menschlichen Komödie hat Martin Parr (1952-2025) einen gleichzeitig zärtlichen und bissigen Blick auf seine Epoche geworfen, ab den ersten Serien, wie The Non Conformists. Ab 1975 interessiert er sich für die methodistischen und baptistischen Gemeinden des Yorkshire, liefert Aufnahmen in Schwarzweiß: Indem er zum Beispiel eine lady so british aufnimmt, die ihren Tee unter einem Gemälde trinkt, das das Letzte Abendmahl zeigt, schafft er eine komische Kollision. Seine Vision ist sicherlich der Dokumentarphotographie zuzuordnen – er fängt die Veränderungen ein, die an den traditionellen Strukturen einer Gesellschaft arbeiten –, aber sie geht weiter über diese hinaus, denn der Künstler stellt universelle und zeitlose Fragen. Diese thematisch aufgebaute breitgefächerte Ausstellung im Kunstmuseum, das zur Initiative Kultur in Karlsruhe gehört – die die großen Institutionen der Stadt vereint – umfasst mehr als 400 Bilder, die einen tiefen Einblick in sein Werk geben. Die Technik des  fill-in – das Auslösen eines Blitzes Mitten am Tag um die Schatten zu eliminieren und Reliefs hervorzuheben – extreme Sättigung der Farben (die grell werden) ab Anfang der 1980er Jahre und enge Bildeinstellungen, dank der Nutzung von Weitwinkelobjektiven: Seine stilistische Grammatik ist geeignet um die ordinären Dinge mit einer Prise trockenem Humor zu verewigen.



Ein Mann und eine Frau, im Restaurant, das Auge verschleiert von der grenzenlosen Langeweile des Zusammenseins, es sei denn es handelt sich um die Weisheit der Verbindungen, die halten (Serie Bored couples); die Erkundung des Wetters, auf der anderen Seite des Ärmelkanals, zwischen Wolkenbrüchen, Sprühregen, Nebel, etc., die die gelassenen Brits nicht davon abhalten ihren Beschäftigungen nachzugehen (Bad Weather); ein Eintauchen in das Universum der Eliten Großbritanniens (Establishment): Jedes Mal ist der Blick von Parr präzise, spitz, scharf. Sharp. Nie herablassend. Nichtsdestotrotz lässt er die Absurditäten der Welt zum Vorschein kommen. Man bewundert ihn, wenn er sich mit dem Tourismus befasst, wie in The Last Resort, einer „thatcherischen“ Badeort-Chronik über den Abstieg der Arbeiterklasse an den Stränden von New Brighton. Mit Small World, setzt sich Martin Parr mit den Horden auseinander, die die Hänge der Akropolis oder die Piazza dei Miracoli in Pisa bereisen: Eine Touristin macht ein Photo in Venedig, Tauben auf den Köpfen, den Schultern, dem Apparat, etc. Das ist witzig, kitschig und gleichzeitig bewegend… Ein bisschen wie Everybody Dance Now, eine Ode an das Feiern, in der das Lächerliche oft auf eine einfache Freude trifft, oder mit Death by Selfie, das die Rituale der digitalen Gegenwart in Form eines zeitgenössischen Egotrips beschreibt. Selbst wenn der Photograph niemals urteilt, kann sich der Besucher dies erlauben…


Im Kunstmuseum Karlsruhe vom 21. November bis 7. Februar 2027
kunstmuseum-karlsruhe.de – kulturinkarlsruhe.de

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