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Anatomy of Presence : das SCHAUWERK in Sindelfingen in den Händen eines brasilianischen Trio

Henrique Oliveira, Corupira (détail Detail), 2023, Vue d’exposition Ausstellungsansicht Fairy Tales, Gallery of Modern Art (GOMA) Brisbane © Henrique Oliveira

Mit Anatomy of presence necken drei brasilianische Künstler die Architektur im SCHAUWERK in Sindelfingen, mit XXL-Kompositionen, bei denen der Körper im Mittelpunkt steht.

Einen Steinwurf von Stuttgart entfernt ist das SCHAUWERK in Sindelfingen, das im Jahr 2010 eröffnet wurde, ein essentieller Akteur der zeitgenössischen Kunst in Deutschland, dessen Substrat die breitgefächerte Sammlung von Peter Schaufler (1940-2015) und Christiane Schaufler-Münch (1934-2025) ist. Indem sie Skulpturen und Installationen von drei großen brasilianischen Bildhauern präsentiert, tritt diese Ausstellung in Einklang mit der Existenz des Unternehmerpaares, das in das Land verliebt war und in den 1970er Jahren in São Paulo lebte. In einem ehemaligen Industriebau ihres Unternehmens Bitzer – Spezialist für Technologien der Kühlung und Klimatisierung – entfalten sich monumentale Werke, deren gemeinsamer Nenner darin besteht „eine Interaktion zwischen dem Körper, dem Raum und der kollektiven Energie“ zu erzeugen, wie es Svenja Frank, eine der beiden Kuratorinnen, zusammenfasst. Eine heilsame Rückkehr zu den physischen Erfahrungen in einer eisigen und entmenschlichten Epoche, in der das Immaterielle die Macht ergriffen hat, denn es versteht sich von selbst, dass gemeinsame Sinneserfahrungen eine soziale Kohärenz erzeugen.


Dies wird mit Vivian Caccuri (geboren 1986) illustriert, die Overheated System kreiert hat, ein Werk „das mithilfe eines halbstrukturierten Systems aus analogen modularen Synthesizern entsteht, das langsam rhythmische Motive und Impulse mit niedriger Frequenz erzeugt“, fasst eine Künstlerin zusammen, der es gelingt den Ton sichtbar zu machen, insbesondere dank der Flammen der Kerzen, die zur Installation gehören. In Durcheinander zwischen Ordnung und Unordnung findet man das Chaos der brasilianischen Städte wieder, die jeder buchstäblich am eigenen Leib verspürt. Lucia Koch (geboren 1966) ihrerseits spielt mit Licht und Farbe, verwandelt den Eingangsbereich in eine Atmosphere Box: Anhand eingefärbter Farbfilme erzeugen Farbabstufungen wechselnde Empfindungen beim Besucher – ist es das Morgengrauen? Die Abenddämmerung? – so dass er seine zeitliche Wahrnehmung relativiert oder gar verliert. Und schließlich hat Henrique Oliveira (geboren 1973) eine ineinander geschachtelte Skulptur entworfen, ein gigantisches Werk, das einen Ausstellungsraum in seinem Inneren verbirgt, in den man eintreten kann. Man ist besonders berührt von ihren organischen Konstruktionen, die aus tapumes-Holz realisiert sind – recycelten Brettern, die als Konstruktionsmaterial für den Bau der Favelas benutzt werden – die an übergroße Lianen oder kolossale Wurzeln erinnern, welche den white cube (wie Corupira, 2023) zu zersprengen drohen. Diese Flechtwerke, die außer Kontrolle zu sein scheinen, erinnern an die Anarchie des Stadtraums eines Brasiliens, das in einem ständigen spontanen Wachstum ist, aber auch, indirekt an die vitale Kraft des Amazonas-Regenwaldes und die Bedrohungen, denen er ausgesetzt ist.


Au SCHAUWERK (Sindelfingen) jusqu’au 18 juillet 2027
schauwerk-sindelfingen.de

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