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Simon Hantaï und seine vibrierenden Gemälde im Museum Frieder Burda in Baden-Baden

Simon Hantaï, Etude, 1968 © Archives Simon Hantaï / VG Bild Kunst Bonn, 2026

Oft monumental, verzaubern die Gemälde von Simon Hantaï in Entfaltung der Farbe den Blick mit ihren Pigmenten, die lebendig zu sein scheinen.

Sich dem surrealistischen Joch entziehend, kreiert Simon Hantaï (1922-2008) – der Ungar kam 1948 nach Paris – im Laufe der 1950er Jahre informelle Abstraktionen, die ebenso an faszinierende Kalligraphien erinnern, wie an die lyrische Trance „von Jackson Pollock, dessen Entdeckung für ihn eine Offenbarung ist“, fasst der Kurator der Ausstellung, Daniel Zamani, zusammen. Diese Periode ist in einer Handvoll Gemälden kondensiert – darunter Peinture (1957), in dem die Gesten in den Pigmenten erstarrt sind, die alle Nuancen von Braun annehmen. Der größte Teil des Rundgangs konzentriert sich auf die Faltung – von der sechs große Serien präsentiert werden – eine Methode, die er 1960 adoptierte und deren Protokolle sich im Laufe der Jahre weiterentwickelten: Sehr feine Faltungen, frustrierte Zerknitterungen, harte Knotungen, etc. Der Künstler definiert sie folgendermaßen: „Die Leinwand wird auf regelmäßige Weise zerknittert und nur die gefalteten Zonen, die an der Oberfläche bleiben werden bemalt.“ Beim Auseinanderfalten enthüllt sich ein Motiv, das zufällig entstanden ist, in dem eingefärbte Zonen und weiße Flächen hypnotisierende Kompositionen erschaffen.


Seine ersten Faltungen, die Mariales (1960-62) verweisen auf den Mantel der Jungfrau aus der italienischen Renaissance (von dem sie die Farben übernehmen, Blau und Gold allen voran), was das Gefühl vermittelt, dass der Künstler ein Fragment aus ihm unendlich vergrößert habe. Der vibrierende und mystische All-over-Effekt illustriert das Kredo des Künstlers: „Wenn ich falte, bin ich objektiv, und das ermöglicht es mir, mich selbst zu vergessen.“ Der Blick irrt umher, fasziniert und „der white cube wird in eine Kapelle der Farben verwandelt“, unterstreicht Daniel Zamani, der das Ensemble so entworfen hat, dass die Werke in einen Dialog mit der lichtgefluteten Architektur des Museums Frieder Burda treten. Es folgen die Catamurons (1963-65), bunte Rechtecke, die in einem weißen Raum schweben und die Panses (1964-67) – „Die farbige, ovoide Form wird mehrfach gefaltet, bis die durch das wiederholte Falten entstandenen Blindstellen zugedeckt sind“, sagte Simon Hantaï – bei dem die Spiele zwischen bemalten und leeren Räumen von ähnlicher Essenz sind. Die Ausstellung setzt sich fort mit den Meuns (1966-68), die an die ausgeschnittenen Papiere von Henri Matisse erinnern, die Études (1968-71) – die an bizarre pflanzliche Verflechtungen denken lassen – und die Blancs (ab 1973), lyrische Acrylgemälde. Abschließend stellen die Tabulas (1972-80) einen kompletten stilistischen Bruch dar: Die organische Lebhaftigkeit der zufälligen vergangenen Kompositionen macht Platz für regelmäßige Karomuster. Weit davon entfernt erdrückend zu sein, fesseln diese riesigen ein-und mehrfarbigen Gitter – eines misst 2,93 auf 5,82 Meter – den Blick des Betrachters, laden ihn dazu ein in das Gemälde einzutauchen, befreien ihn…


Im Museum Frieder Burda (Baden-Baden) bis 10. Januar 2027
museum-frieder-burda.de

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