Jubiläumsjahr für das Passages Transfestival in Metz
International, interdisziplinär und in der zeitgenössischen Kreation verankert, feiert das Passages Transfestival nicht einen, sondern zwei Geburtstage. Begegnung mit seinem künstlerischen Direktor Benoît Bradel.
30 Jahre nach seiner Entstehung in Nancy, 15 Jahre nach seiner Ankunft in Metz, die erste Ausgabe unter der neuen Leitung… ein wahnsinnig voller Kalender für Sie, nachdem sie 2020 ankamen!
Um exakt zu sein bin ich Ende 2019 angekommen. Es gab 2020 kein Festival wegen Corona, aber ab 2021 haben wir es umbenannt [Passages wird Passages Transfestival, Anm.d.Red.] um eine transkontinentale und transdisziplinäre Identität zu unterstreichen – vorher lag der Akzent auf dem Theater – mit einer starken Achse rund um Kreation. Ende 2024 hat Michèle Paradon, die im Arsenal de Metz gearbeitet hat und die über eine genaue Kenntnis der Bühnenkünste verfügt, die Nachfolge von Francis Kochert als Präsidentin angetreten. Mit ihr bleiben wir in einer Kontinuität, arbeiten aber zu präziseren und technischeren Punkten, da sie das Milieu besser kennt.
„Neue Ufer“ ist der rote Faden in diesem Jahr. Worauf bezieht er sich?
Die Basis hat sich ausgehend von Dialogen mit zwei Festivals konstruiert, in Alexandria und in Kairo: Theater is a Must und D-Caf. Seit 2023 treffe ich in der Tat Künstler an Orten, an denen ich noch nie zuvor war. Wir kooperieren auch mit der Saison Méditerranée des Institut français [15.05.-31.10., politischer und kultureller Höhepunkt, der den Reichtum der Kulturen des Mittelmeerraums in den Fokus stellt, Anm.d.Red.], die vorgeschlagen haben mit dem Libanon, Ägypten und dem Maghreb zusammenzuarbeiten. Dieses Jubiläum ist außerdem die Gelegenheit erneut die Choreographen Lia Rodrigues (15. & 16.05., Arsenal) oder Idio Chichava (20.05., Arsenal), zu empfangen, emblematische Künstler der Veranstaltung.
Idio Chichava kommt mit seiner aktuellsten Kreation Dzudza zurück.
Es profitiert von derselben Gruppendynamik wie Vagabundus, seinem ersten großen Stück für 12 Interpreten. Er schöpft weiter aus den Einflüssen von Maputo, seiner Heimatstadt, insbesondere anhand traditioneller Gesänge, die zu etwas Zeitgenössischem werden. In einer Umgebung, die von einem populären Markt inspiriert ist, denkt er sich ein starkes Werk aus, über die Stärke von Vielen im Angesicht des Zustandes der Welt.
Man kann auch Eli Neva Jaramillo und Leïla Bakouche zitieren…
L’Ombre du Tigre (16. & 17.05., St-Pierre-aux-Nonnains) ist die erste Aufführung von Eli Neva und ihrer Truppe Emballage 9. Sie kommt aus Kolumbien und hat die École nationale supérieure des arts de la marionnette in Charleville-Mézières absolviert und ist dann in Ostfrankreich geblieben. Sie interessiert sich sehr für Fragen der Animalität, für die Art und Weise, wie man an der Seite wilder Arten lebt und sie entwickelt, ein sehr visuelles Universum, zwischen Schattentheater und Dispositiven aus Metall. Mit Raw (14.-28.05., Village – Esplanade, in Zusammenarbeit mit dem Verein Bout d’essais) präsentiert Leïla Bakouche eine Photo-Ausstellung über die Jugend im Mittelmeerraum, in Algerien.
An verschiedenen Orten in Metz vom 14. bis 28. Mai
passages-transfestival.fr
Faire face
„Trotz der budgetären Einschnitte, stehen alle Partner voll hinter uns um eventuelle Schäden zu vermeiden“, unterstreicht Benoît Bradel. In diesem Jahr ein Hoffnungsschimmer: „Im Jahr 2025 mussten wir einige Initiativen stoppen. Dieses Jahr konnten wir dank der Cité musicale und dem Projekt Interreg GRACE [das künstlerische Ausbildung der Anwohner generalisiert, Anm.d.Red.] Aufführungen im großen Saal beibehalten.“ Und trotzdem schwebt der Schatten der globalen Konflikte über dem Festival. „Wir wissen nicht, ob alle libanesischen Künstler da sein werden, weil die Preise für Flugtickets explodiert sind.“ Zwischen Tanz, Musik und Theater gehört When I saw the sea (22.05., Bam, siehe Photo) von Ali Chahrour dazu. „Es wird für sie schwer sein Beirut zu verlassen. Es ist die schlimmste aller Situationen, aber ihr Stück ist ein außergewöhnlicher Moment der Menschlichkeit.“



