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Lia Rodrigues : Ende einer Trilogie mit Borda

Lia Rodrigues, Borda © Sammi Landweer

Mit Borda schöpft die Brasilianerin Lia Rodrigues aus dem Bühnenbild  und den Kostümen von 35 Jahren Arbeit, um einen Zyklus abzuschließen,  der sich mit dem Körper und der Epoche befasst. 

Nach Fúria (2018), einem Gruppenstück, das den antiken Mythos der Furien mit einer harten Kritik der Gewalt von Bolsonaro mischt, und Encantado (2021), das den emanzipatorischen Kampf und spirituelle afro-brasilianische Traditionen verbindet, beendet die Choreographin Lia Rodrigues ihre Reise mit Borda. Ihre aktuellste Kreation erzählt die symbolische Etappe der Rekonstruktion, mit neun Interpreten – wie im ersten Kapitel – die sich in einem Stoff-Meer bewegen – wie im zweiten Teil. Neben diesem Wiederaufleben ist das Werk auch eine Hommage an mehr als drei Jahrzehnte der Recherche ihrer Companhia de Danças, die 2025 ihr 35jähriges Bestehen feiert. Wie ein Augenzwinkern kommen die unzähligen benutzten Textilien so aus den Archiven der Truppe, alle von ihren Mitgliedern angefertigt. Wie die Komponenten eines großen Ganzen manipuliert, erklären diese Elemente außerdem die Polysemie des Titels, der Begriff „borda“ verweist ebenso auf den Bereich der Stickerei, der Dekoration, wie auf die Grenze, Barriere, Traum und Vorstellungskraft… Eine reichliche Mischung, die schon zum Teil in Encantado – „hocherfreut“ – begonnen wurde, das in seiner Erzählung die Idee der Entzückung und der gleichnamigen einheimischen Einheiten kreuzte, die beschützend und unsichtbar sind.

© Sammi Landweer
© Sammi Landweer

In einer bizarren Welt lädt Lia Rodriguez also dazu ein die Grenzen zu überwinden, ob sie physisch oder psychologisch sind, um ein Ideal zu schaffen, in dem alles miteinander in Verbindung steht. In totaler Dunkelheit beginnend, nimmt sich der Beitrag Zeit um eine Basis zu schaffen: Als ein Haufen weißer, unscharfer Silhouetten die Finsternis in einem diffusen Licht durchbricht, erahnt man die Tänzer, die darunter verborgen sind, die diesem unförmigen Organismus Leben verleihen. Als die Beleuchtung heller wird, bewegt sich ein Interpret schließlich, zieht die anderen schnell mit sich. Aufrecht, mit bedecktem Gesicht, wechseln die Geister Serien einfacher Gesten ab, bevor sie einige Sekunden lang stillstehen. Dann beginnen sie erneut, beeinflussen sich gegenseitig, der Eine wirft ein Stoff-Paket, das von einem Anderen im Flug abgefangen wird… und so weiter. Während die erste Hälfte in einer ohrenbetäubenden Stille abläuft, bringt die Zweite Gesänge und Schlaginstrumente hinzu, beschleunigt den Rhythmus und schafft energiegeladene Bilder, in denen das klinische Weiß einer Farbexplosion Platz macht. Die Öffnungen der Arme werden weiter, Tragefiguren kommen hinzu, die Haltungen werden exzentrischer – schwebende Köpfe, die unter Ellenbogen eingeklemmt sind, Kreaturen mit mehreren Beinen – was ein anderes Universum kreiert, in dem die Beziehungen im Zentrum der Kompositionen stehen. 


Im Escher Theater (Esch-sur-Alzette) am Dienstag den 12. Mai, im Arsenal (Metz, im Rahmen des Festivals Perspectives, 21.-30.05. & Passages Transfestival, 14.-28.05.) am Freitag den 15. und Samstag den 16. Mai, im Maillon (Straßburg) am Donnerstag den 28. und Freitag den 29. Mai, im Theater Freiburg (Freiburg im Breisgau) am Sonntag den 14. Juni und im Künstler Innenhaus Mousonturm (Frankfurt am Main, im Rahmen des Tanzfestivals Rhein-Main, 30.10.-15.11.) am Samstag den 14. und Sonntag den 15. November
liarodrigues.com

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