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Kunst + Architektur = Archistories in der Kunsthalle Karlsruhe

A Cartography of Fantasia, 2015, Jakob Kudsk Steensen

In einem extrem reichhaltigen Rundgang mit rund hundert Werken erkundet Archistories die Beziehungen zwischen Kunst und Architektur, vom 17. Jahrhundert bis heute. 

Die Eröffnungsausstellung Archistories, die in der gerade erst restaurierten Orangerie organisiert wird – während das Hauptgebäude der Kunsthalle noch renoviert wird –, entfaltet sich mit einem vielfältigen thematischen Aufbau und untersucht voller Finesse die „Erste Kunst“. Ein Teil befasst sich mit dem Haus: Man trifft hier auf den zarten und poetischen Minimalismus von Wolfgang Laib – Reishaus, 01 (2001), Beitrag zu einer unscheinbaren Bauweise, die naturverbunden ist – und dem verträumten Futurismus von Dionisio González. Mit Wittgenstein’s Cabin 10 (2021), lässt er sich von der Hütte inspirieren, die sich der Philosoph auf einem Felsvorsprung über dem Sognefjord bauen ließ: Mit seinen Gebäuden in organischen Formen, die mit dem Computer generiert werden, studiert der Künstler die aktuellen möglichen Wege für einen kreativen Rückzug. Niklas Goldbach seinerseits erkundet die Villa Aurora in Pacific Palisades, in der sich Lion Feuchtwanger im Jahr 1943 installierte: Sein Video 1550 San Remo Drive (2017) gibt auf subtile Weise den Geist eines Ortes wieder, an dem zahlreiche Intellektuelle empfangen wurden, die von den Nazis verfolgt wurden, wie Thomas Mann. Ein Kapitel öffnet sich hin zu einem anderen Lebensraum, Kerker – rund um sehr berühmte Gravuren von Giovanni Battista Piranesi –, worauf zwei weitere folgen, die Transitorischen Räumen gewidmet sind: Die Brücken – eine wunderschöne Ansicht vom Pont Saint-Michel, in Paris (1912) von Marquet – und Plätze, Straßen, Übergänge. 

Während man von Kühnen Konstruktionen verführt wird, wie dem Eiffelturm (1910) von Robert Delaunay, einem übermächtigen Monument, das die gesamte Leinwand einnimmt und kurioserweise auf Konstruktion (1950) von Fernand Léger antwortet, ist der begeisterndste Abschnitt jener, der den Ruinen gewidmet ist. Dieses Eintauchen in Die Gegenwart der Erinnerung beginnt mit dem Entstehen einer Ästhetik, die von einer Herde, vor den von der Vegetation zerfressenen korinthischen Säulen eines römischen Tempels, verkörpert wird, in einer Gravur von Le Lorrain aus dem Jahr 1651. Nach einem Umweg über die Zerstörungen des Krieges – Überreste eines Hauses (1916), eine ergreifende Zeichnung von Otto Dix, oder Bombardierte Häuser (1945), ein Ölgemälde von Ernst Spuler, das Deutschland im Jahre Null zeigt – entdeckt man zeitgenössische Werke, die die Gattung neu erfinden. Darunter das Video A Cartography of Fantasia (2015) von Jakob Kudsk Steensen, das beweist, dass unvollendete Strukturen, die der Natur überlassen werden, neuen Lebensraum für Fauna und Flora bieten: In diesen „Geisterräumen“ – Flugplatz, Feriendorf, Gewächshaus, Golfplatz und Luxusappartements – wimmelt es vor Leben… in Abwesenheit des Menschen und das ist ganz schön beruhigend! 


In der Orangerie der Kunsthalle Karlsruhe bis zum 12. April
kunsthalle-karlsruhe.de

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