Dawn of the Dead: République Zombie von Nina Santes

© Annie Leuridan

Mit République Zombie greift Nina Santes das Thema der körperlichen Dissoziation als Überlebensstrategie in unserer wirren Epoche auf.
    

Kennern des Voodookults in Haiti ist sicherlich die gründliche und spannende Studie zu den Zombies von Philippe Charlier bekannt, der auf der Suche nach Antworten zur „Zombiefizierung“ und ihren verschiedenen Funktionen bei Priestern und Wissenschaftlern auf die Karibikinsel reiste. Aber es ist ein anderes Werk, das Nina Santes inspirierte, die den Titel des Romans von Mischa Berlinski, République Zombies, verwandelte um ihre eigene Vision der dissoziierten und geisteskranken Körper zu entfalten, die ihre Bewegungen nicht mehr kontrollieren, welche sie in den Tanz führen. Jene, die ihr Bühnendebüt als Marionettenspielerin gab, spielt mit einer gewissen Ästhetik der Körperlichkeit des Hampelmanns, mit abgehackten Bewegungen.

Mit Betty Tchomanga und Soa de Muse als Spielkameraden, entfalten sich in einer Langsamkeit, die zur Betrachtung einlädt, verblüffte Figuren, die mit weit aufgerissenen Augen Punkte über unseren Köpfen fixieren und ganz woanders sind. Die Choreographin nimmt sich Zeit, hat Freude daran sie auszudehnen um noch mehr den komischen Eindruck zu verstärken, der von diesen Körpern ausgeht, die von ebenso unsichtbaren wie monotonen Kräften bewegt werden, ohne dass ihre Bewegungen zu irgendeinem Zeitpunkt bewusst gesteuert wirken. Inmitten von makellos weißen Hügeln, deren Behämmerung im Gleichschritt ihre Natur enthüllt, beseelt sich diese kleine Welt.

 

Aber die zeitliche Verschiebung zwischen Stimmen und Bewegungen, Gesängen und metallischem Getrommel verstärken nur das Gefühl der Besessenheit. Stepptanzschuhe und Händeklappern mit langen Metallringen beschleunigen unaufhaltsam den Rhythmus, der von Lichtdurchbrüchen durcheinandergebracht wird, wie Änderungen der mentalen Räume oder erschwerte Wahrnehmungen der Realität. Diese Dissoziation zwischen Stimmen/ Gesten/Tönen wirkt auf ihre Weise, in direkter Nachfolge von George A. Romero, der dem Genrekino zu seinem Adelsbrief verhalf, indem er die Figur des Zombies als Metapher für die Entfremdung, die soziale Gewalt, sogar den Rassismus benutzte.

Nina Santes ist ihm auf ihre eigen Art auf den Fersen, unterstreicht den klaren Schnitt zwischen den Tänzern und ihren Affekten, was einem Publikum ins Auge springt, das direkt von diesen von Traumata gelähmten Wesen angegriffen wird. Nachdem sie das Bild der Hexe in Hymen Hymne in Frage stellte, setzt sie ihre politische Fragestellung fort: „Die Zombie-Körper sind wie Symptome unserer modernen kapitalistischen Zeit, unserer Entfremdungen, unserer Beziehung zu Traumata, unserer zerstückelten Körper, unserer beschnittenen Affekte“. Aber trotzdem kein Fatalismus. In einer letzten versöhnlichen Geste wird der Zuschauer dazu eingeladen, sich dieser Zeremonie anzuschließen, die einen großen Lebensdrang feiert. 


Im Manège de Reims am Mittwoch den 23. Februar

manege-reims.eu 

> Nina Santes und ihre Kumpanen von La Fronde präsentieren ebenfalls ein Mini-Festival mit sensiblen Praktiken, Begegnungen, Konzert, Kabarett und Clubbing mit dem Titel Reclaim the night, am Freitag den 25. und Samstag den 26. Februar

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