Die Politik unter der Lupe, in Démocraties en jeu, in Straßburg
Zwischen Tanz und Theater, analysiert Démocraties en jeu ein westliches System, das Debattenkultur, Geopolitik und Entwicklung der Praktiken verbindet.
Nach einer „Landschaft“, die dem Werk von François Gremaud und dem Festival Premières gewidmet ist, das sich an aufstrebende Talente der europäischen Szene richtet, stellt der Maillon beim dritten Höhepunkt seiner Spielzeit die Demokratie in den Vordergrund. Zu den vier Aufführungen, die auf dem Programm stehen, gehört Stefan Kaegi mit seinem Kollektiv Rimini Protokoll und Ceci n’est pas une ambassade (05.-07.03., in Englisch und Mandarin mit französischen und deutschen Übertiteln), Dokumentartheater, das, ganz nach den Gewohnheiten des Regisseurs, Laien für ihre Geschichte aussucht. Das ausgewählte Trio spricht so über die knifflige Situation von Taiwan, einem großen wirtschaftlichen Akteur des Weltmarktes, der bis heute, nur von einer Handvoll kleiner Staaten als Land anerkannt wird. Von der Insel stammend, erzählt jeder Interpret seine Nation anhand seiner Erfahrung – Mitglied einer NGO, ehemaliger Diplomat und Erbe eines Bubble-Tea-Imperiums, der eine Karriere in der Musik gewählt hat –, aber auch über seine Beziehungen, die brüderlich oder konfliktgeladen sein können, mit dem kommunistischen China. Während Taiwan quasi keine anerkannte Botschaft im Ausland eröffnen kann, stellen sich die Protagonisten eine echte Repräsentation vor, mit Modellen, Projektionen, offiziellen Symbolen und intimen Erzählungen, um die Geschichte eines Landes zu erkunden, das von der Figur von Tchang Kaï-chek, dem Kriegsrecht und einer Demokratisierung geprägt ist, die ab Ende der 1980er Jahre begonnen wurde.
Die politische Vergangenheit Frankreichs findet ebenfalls ihren Platz mit Rituel 4 : Le Grand Débat (14.-17.03., in französischer Sprache), von Louise Hémon und Émilie Rousset. Auf beiden Seiten eines riesigen Tischs stehen sich zwei Schauspieler gegenüber. Auf einem Fernseh-Set, das von den Kameras umrundet ist – die ihre Bilder live übertragen – versetzen sie sich in die Rolle von Präsidentschaftskandidaten und untersuchen die Antworten, die oft Kult sind, die bei den Debatten vor dem zweiten Wahlgang seit 1974 gegeben wurden. Ins kollektive Gedächtnis eingegangen enthüllt ihr Echo dennoch, wie sie von einer zur anderen Epoche widerhallen, für ein köstliches verbales und zeitliches Ping-Pong-Spiel. Während die Macht des Diskurses auch im Zentrum der partizipativen Erfahrung SUMMIT Strasbourg (12.-14.03.) steht, der aktuellen Kreation der belgischen Truppe Ontroerend Goed, erobert die Stärke der Geste ihrerseits The Goldberg Variations (21. & 22.03.). Als Anspielung auf das Solo von Steve Paxton und an Bach – live in einer Akkordeon-Version gespielt – taucht das Stück in die Entwicklung der Tanzpraktiken seit den 1970er Jahren ein, die vom Entstehen der Improvisation geprägt waren. Vom Choreographen Michiel Vandevelde, einem jungen Mann mit geistiger Behinderung und einer Ballerina ausgeführt, beschäftigt sich die Performance ebenso mit dem Körperbild, wie mit der Demokratisierung dieser Kunst, heute, während sie in den sozialen Netzwerken ein viraler Trend geworden ist.
Im Maillon (Straßburg) vom 5. bis 22. März
maillon.eu
> Kulturbus Offenburg / Straßburg für die Aufführung von The Goldberg Variations (21.03., Abfahrt vor der Kunstschule, 19 Uhr)
