Le Jardin du Michel trotzt 2026 allen Widerständen
Die 21. Ausgabe des Jardin du Michel mischt immer noch genauso viele Stile und Generationen, entdeckt junge Talente und steht für ein Programm, bei dem sich Kunst auf Freiheit reimt.
Nachdem er sein zwanzigjähriges Jubiläum gefeiert hat, das sich über vier anstatt drei Tage erstreckte, findet der Jardin du Michel wieder in seinem gewöhnlichen Format statt. Das Festival kommt ebenfalls mit einer neuen Bühne zurück – der Michellaneous, einem hybriden Raum zum Entspannen am Tag, silent parties am Abend und Elektro-Dub-Konzerte nachts – aber, vor allem, einem entschlossenen Team, das sich Anfang des Jahres in einem unerwarteten Shitstorm wiederfand. Die Ankündigung der Teilnahme der französischen Rap-Gruppe Sniper (22.05.), die Ende der 1990er Jahre gegründet wurde und für ihre bissigen Texte bekannt ist – schon von der Justiz vor mehr als 20 Jahren angeklagt, wurde sie allerdings nie verurteilt – hat in der Tat die Rechtsextremen zu Reaktionen veranlasst. So sehr, dass die Région Grand Est sich dazu entschieden hat ihre Subventionen in Höhe von 94 000 Euro (ungefähr 7% des gesamten Budgets) bis Mitte des vergangenen Monats auszusetzen: „[Sie] wurde dank des Empfangs der ministeriellen Notiz bewilligt, die besagt, dass die Gruppe das Objekt keiner Verurteilung ist und kein Risiko für die öffentliche Ordnung darstellt“, unterstreicht Cindy Dodin, die Leiterin der Veranstaltung. Der Beweis, dass die kreative Freiheit, glücklicherweise nicht bereit dazu ist, auf sich herumtrampeln zu lassen.
Was die Headliner angeht, freut man sich darüber den sensiblen und außergewöhnlichen Pop von Adèle Castillon wiederzutreffen (23.05.), den Elektro-Folk von Lilly Wood & The Prick (24.05.) oder auch den Reggae mit Vapor-Dup-Akzenten von Biga*Ranx (23.05.). Eine besondere Erwähnung gilt Ofenbach (24.05.), einem der emblematischen Duos des French touch, das vor Kurzem mit seiner EP Cloned Vol. 1 nachgelegt hat, sowie die deutsche Techno-Marching-Band Meute (22.05.). Indem es House-und Technotitel wiederaufnimmt, feiert das Ensemble sein zehnjähriges Bestehen mit Jubel, einem Werk, das Neuaufnahmen und Best of mischt – zu nennen sind das betörende You & Me des australischen DJs Flume, ein Remix der Originalversion der Briten von Disclosure aus dem Jahr 2013. Die neue Generation ist ihrerseits stolz vertreten durch Luiza (23.05.), St Graal (24.05.) und Tracy de Sà (22.05.). Die Erste hat gerade ein gleichnamiges debut album herausgebracht, mit tropischen Pop-Klängen, gemischt mit Melodien aus Bossa Nova, was man schon auf dem strahlenden Soleil Bleu hören konnte. Mit Les dernières histoires d’amour de St Graal, enthüllt die Zweite den zweiten Teil eines Diptychons zwischen Rock, Elektromusik und Pop, während die Dritte uns in einen mehrsprachigen, engagierten und feministischen Rap eintaucht. Auf der Seite der regionalen Entdeckungen hat San-Nom aus Reims (23.05.) unsere Neugierde geweckt, mit seinem Universum zwischen französischem Varieté, Hip-Hop und Rock… das ganze überzogen mit einer Prise Klassik. Der junge Mann kündigt das Erscheinen seiner neuen Platte Sans Succès für den 21. Mai an.
In Toul und Dommartin-lès-Toul vom 22. bis 24. Mai
jardin-du-michel.fr
