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Metaphysik, zeitgenössische Werke und Vanitas in Baden-Baden

Cornelius Völker, Bougie avec conserves Kerze mit Eingelegtem

Mit Vanitas feiert Baden-Baden Die Schönheit des Vergänglichen anhand der Werke zeitgenössischer Künstler, in einem schwindelerregenden metaphysischen Strudel. 

Seit der Antike begleitet das Bewusstsein um das unausweichliche Ende den Menschen: „Die Perfektion unseres Lebenswandels besteht darin jeden Tag so zu leben, als wäre es der Letzte und nie Ungeduld, noch Wehmut oder Unaufrichtigkeit zu haben. Wir müssen die Seele mit der Weisheit nähren, die aus der Akzeptanz des Todes entsteht“, schrieb so Marc Aurel. Die Kunst wird von diesen Fragestellungen durchzogen, wie es einige Gemälde in Erinnerung rufen, die als symbolisches Prolegomenon dienen, wie bei einer sehr romantischen Landschaft mit Torruine (1823) von Carl Eduard Blechen. Die Ausstellung interessiert sich für die Avatare von heute dieser Überlegung über das Leben, das Schwinden und den Tod, mit einem imposanten Werk von Achim Großmann und Silvia Eisele als Dreh-und Angelpunkt. Vor dem Besucher entfaltet sich eine riesige Freske (in zwei Teilen, denn sie hängt im Erdgeschoss und im ersten Stock des Museums) aus 415 Photographien von 40 auf 40 Zentimetern. Ausgehend von 20 000 „Portraits“ von Äpfeln auf schwarzem Hintergrund, die an die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts erinnern, hat das Duo diesen bunt gemischten Korpus ausgewählt: Einige Früchte sind strahlend und voller Saft, andere halb verfault, von einer Armada von Würmern attackiert, mit braunen Streifen bedeckt, faltig wie die Haut einer alten Frau, mit einer Oberfläche voller schwarzer Flecken, etc. Auf diesen Momentaufnahmen stellen die verschiedenen Etappen einer Verwandlung unsere Wahrnehmung infrage, denn einige erinnern an bizarre mineralische Gebilde oder an ferne Himmelskörper. 

 

 

Dieses Ensemble geht einen fruchtbaren Dialog mit Werken ein, die ebenfalls von der Flüchtigkeit der Dinge handeln: The Vanitas Record (2005), Video von Koen Thy, das eine Holzkonstruktion von 20 auf 16 Metern zeigt, die voller Kerzen, Bücher, Wecker und lebender Schnecken ist – ungefähr 20 000! – in Form eines Aufrufs zur Demut steht bizarren Objekten von Pavel Schmidt gegenüber oder den Ölgemälden von Cornelius Völker, wie Spargel (2004) einer photorealistischen Vision eines Einmachglases mit Gemüse. Während man die Korallen-Keramiken von Felicithas Arndt wie Madrepora I (2022) schätzt, verführen die Gemälde von Johannes Hüppi (siehe Poly Nr. 227) ganz besonders. Zwischen Traum und Albtraum schwankend, setzen seine Kompositionen Frauen in Szene, „Avatare des universellen und ewig Weiblichen. Sie sind Mütter, Töchter, Liebende, Musen, Geliebte… All das gleichzeitig“, sagt er. Neben ihnen liegen Totenköpfe, in einer traumhaften Neuinterpretation der Beziehung zwischen Eros und Thanatos. 


Im Museum LA8 (Baden-Baden) bis 20. September
museum.la8.de

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